Zu den Berichten über den Dopingskandal bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Seefeld (Sportteil):
Es ist nicht das erste Mal und wird sicherlich nicht das letzte Mal sein, dass man einen internationalen Dopingring bei einer Großveranstaltung aufdeckt. Ist ja irgendwie klar. Da treffen sich die weltbesten Athleten. Deshalb bin ich keineswegs überrascht. Verärgert bin ich aber über das scheinheilige, unsägliche Gefasel der Funktionäre. Seit Jahren sind es dann immer wieder Einzeltäter und ein paar schwarze Schafe. Noch vor ein paar Wochen wurde der österreichische Langläufer verteufelt, weil er den Mut hatte, sich zu outen und das ganze System anklagte. Alles gipfelte in Seefeld, jetzt, als ein Sportler erwischt wurde, bei dem noch die Nadel im Arm steckte.
Dass dies aber beileibe nichts Neues und auch kein Einzelfall ist, das sieht man, wenn man in der Historie zurückgeht: Weltmeisterschaft in Finnland, das gesamte finnische Team wird gesperrt, 2002 Salt Lake City, Johann Mühlegg werden alle drei Goldmedaillen aberkannt, Olympia 2006 (Turin), da sprangen österreichische Sportler aus dem ersten Stock, um zu fliehen. Aber man sollte auch vor der eigenen Haustür kehren. Jahrzehntelang dümpelten die deutschen Langläufer zwischen Platz 20 und 40 so dahin, plötzlich vor circa 15 Jahren von heute auf morgen hatten wir lauter Weltklasseläufer. René Sommerfeld, Tobias Angerer, Jens Filbrich, Axel Teichmann liefen um Weltcup-Siege und um den Gesamtweltcup. Ein Schelm, wer Böses denkt, oder haben die besser trainiert? Etwa zur gleichen Zeit wurde in Wien ein Dopinglabor aufgedeckt. Siehe da, plötzlich war‘s vorbei mit der deutschen Langlauf-Herrlichkeit. Alle Aktiven beendeten plötzlich ihre Karriere, einschließlich dem Bundestrainer. Wann wacht endlich der letzte Träumer auf, um zu erkennen, dass man den Kampf gegen Doping nie gewinnen wird.
Hans Wagner
Rosenheim