Horst Seehoferin oder Markus Söderin?

von Redaktion

Zum Bericht „Gegen den Gender-Unfug“ (Titelseite):

Sprache hin, Sprache her. Das Schlimme an der Gender-Sprache ist nicht die vorsätzliche Verunstaltung unserer ohnedies Not leidenden Sprache in einem besonders schweren Fall – sondern der geringe Widerstand im Volk gegen derlei gezielte Angriffe auf den gesunden Menschenverstand.

Manfred Ebeling

Raubling

Unsere Sprachwächter- und -wächterinnen glauben es bald geschafft und die vermeintlich maskuline Dominanz in unserer Sprache gebrochen zu haben. Aber ihnen ist leider Trägheit oder Ignoranz zu bescheinigen, wenn sie weite Felder im Sprachenbereich ideologisch noch nicht beackert haben. Es geht auf höchster Ebene in Brüssel los: Der dort tagende Ministerrat der EU ist ein Minister- und Ministerinnenrat! Wie kann es angehen, dass die Kultusministerkonferenz (KMK) nicht Rücksicht auf ihre Teilnehmerinnen nimmt und sich Kultusminister- und -ministerinnenkonferenz (KMMK) nennt. Der Bericht von einem Bürgermeistertreffen diskriminiert in haarsträubender Weise die Bürgermeisterinnen und den weiblichen Teil unserer Bevölkerung. Ideologisch korrekt muss es demnach heißen: ein Bürger- und Bürgerinnenmeister- und -meisterinnentreffen. Ganz schlimm steht es um unsere Namen: Es ist ein Unding, dass Familiennamen, die seit Jahrhunderten auf einen Beruf oder eine Herkunft hindeuten, grundsätzlich nur in der männlichen Form existieren. Was spricht dagegen, statt Wagner oder Meier zukünftig Wagnerin oder Meierin zu heißen? Wir werden uns doch sicherlich an Horst Seehoferin oder Markus Söderin gewöhnen können. Liebe Sprachgenderisten und Sprachgenderinnen: Ihr seht, es gibt noch ziemlich viel zu tun. Wenn ihr die überfälligen nächsten Schritte zur Verballhornung unserer Sprache angeht, dann schaut bitte ja nicht über euren Tellerrand nach Westen. Dort herrscht nämlich die archaische Unsitte, dass eine Gruppe von 99 Frauen sich Französinnen nennt. Aber wehe, wenn ein Mann sich zu dieser Gruppe gesellt. Dann mutiert diese Gruppe aus unerhörten Gründen zu 100 Franzosen.

Dr. Gerd Hieber

Prien

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