Heiße Debatte um Schülerstreik

von Redaktion

Zu den Berichten über „Fridays for Future“ (Bayern-, Regional- und Lokalteil) sowie zum Kommentar von Georg Anastasiadis:

Es spricht überhaupt nichts dagegen, dass Schüler jetzt für ihre Sorgen und Wünsche auf die Straßen gehen. Das muss aber weiterhin nicht jeden Freitag während der Schulstunden ablaufen. Die gesetzlich vorgeschriebenen Schulstunden bestehen nur zum Wohl und für die Zukunft der Schüler. Die Freitag-Demos haben sich rasend schnell verbreitet. Schüler ziehen Plakate schwenkend dicht gedrängt und fröhlich durch die Straßen. Diese Demos scheinen zwei Gesichter zu haben. Neben den jungen Leuten, die hierbei ihre ehrliche Überzeugung bekunden, ist sicher auch der Anteil der jungen Demonstranten nicht klein, für die das eine Mords-Gaudi ist, indem man jeden Freitag die Schule schwänzen kann. Es stellt sich dabei die Frage, wieviele der Wohlstandskinder, deren Eltern die Demos gutheißen, jedes Jahr mit ihren Familien Flugreisen in ferne Urlaubsländer machen und von der Mama im SUV zur oder von der Schule chauffiert werden. Da passt was nicht zusammen. Wenn außerdem die Demos nur an Samstagen stattfinden würden, wäre die Beteiligung sicher deutlich geringer.

Gerd Höglinger

Rosenheim

Herr Anastasiadis mokiert sich über die Proteste, indem er darauf hinweist, dass dieselben Jugendlichen wohl nicht an einem Samstag oder Ferientag protestieren gehen würden, dass sie selbst klimaschädliche chinesische Billighandys benutzen oder Strom beim Computer spielen verbrauchen. Auch wenn das vielleicht stimmen mag, finde ich das etwas unredlich, weil es gleichzeitig das Anliegen dieser jungen Menschen diffamiert. Wäre beispielsweise ein Eintreten für Menschenrechte nur dann berechtigt und glaubwürdig, wenn man dafür Opfer bringen müsste? Wenn man zum Beispiel einen freien Tag dafür opfert? Oder wäre es nicht einfach nur richtig, sich für Menschenrechte einzusetzen? Das Anliegen dieser Jugendlichen, so wird meinem Empfinden nach suggeriert, sei nicht ernstzunehmen, nicht wirklich berechtigt, weil sie eigentlich nur Schule schwänzen wollen, selber nur am Handy sitzen und so weiter. Das greift aber zu kurz! Denn das Ziel dieser jungen Menschen, die Politik dazu zu bewegen, ihnen eine bewohnbare Welt zu hinterlassen, ist absolut berechtigt. Ihr Anliegen ist legitim, mögen die Jugendlichen selbst auch noch so unvollkommen sein. Sie haben bei ihren Protesten meines Wissens nach auch nie behauptet, perfekte Umweltapostel zu sein. Es lenkt nur ab und ist ziemlich zynisch, wenn ältere Menschen diesen Jugendlichen ihre Unvollkommenheiten vorwerfen, um ihren Protest zu diffamieren. Wer hat ihnen ihr Verhalten denn vorgelebt? Wer hat denn Millionen in Werbung und sonstige Tricks investiert, um sie möglichst abhängig von diesen elektronischen Geräten zu machen? Die Vorgängergeneration, die sich jetzt über diese Jugendlichen lustig macht, um sich selbst nicht ändern zu müssen.

Christian Mayer

Eiselfing

Viele glauben ja, dass die Schülerdemos keine Wirkung zeigen. Das ist natürlich grundfalsch, denn jeden Freitagvormittag erreicht der Kohlendioxidausstoß in den Klassenzimmern nur einen winzigen Bruchteil dessen, was an anderen Schultagen anfällt. Ist das nicht ein toller Beitrag zur Rettung des Weltklimas? Vielleicht könnte man ja auch mal darüber nachdenken, ob man nicht selber etwas zur Rettung des Klimas beitragen könnte, wie zum Beispiel Handyverzicht in der Schule. Nebenbei: Der Energieverbrauch beim Verschicken einer E-Mail ist in etwa so groß wie bei der Herstellung einer Plastiktüte! Wenn ich mir die Bilder der lustig demonstrierenden Schüler anschaue, dann drängt sich mir der Verdacht auf, dass es vielen dabei weniger um Zukunftsangst, sondern um „Frei-Days for future“ geht.

Richard Eder

Stephanskirchen

Als junger Leserin wird mir bei dem gängigen Diskurs, welcher im Oberbayerischen Volksblatt rund um die „Fridays for Future“-Demonstrationen angeschlagen wird, Angst und Bange, und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier der ein oder andere durchaus der Trumpschen Behauptung zustimmen würde, der Klimawandel sei eine Erfindung der Chinesen. Es ist genau diese Argumentation am Kern des Themas vorbei, welche uns junge Menschen nach wie vor auf die Straße bringt: Hier geht es nicht um politische Polarisierung und Profilierung (siehe Kommentar von Herrn Anastasiadis, der diesen dazu missbraucht, unmissverständlich klarzumachen, was er von den Grünen im Allgemeinen hält) und auch nicht darum, ob es nun verwerflich ist, dass junge Leute ihre Schulpflicht missachten. Es geht darum, dass es mittlerweile nicht mehr nur fünf vor, sondern bereits fünf nach zwölf ist, und wir alle gemeinsam jetzt handeln müssen, wenn wir wollen, dass unsere Erde so noch in 30 Jahren existiert. Dass das die Generation 50 plus noch immer nicht verstanden hat, zeigt ihr kleinkariertes Denken und Argumentieren rund um die versäumte Schulpflicht. Selbstverständlich ist es auf Dauer nicht tragbar, wenn Zehntausende Schüler den Unterricht schwänzen – die entsprechenden Entscheidungsträger könnten diesem Umstand aber schnell Einhalt gebieten, indem sie endlich anfangen, die Demonstranten ernstzunehmen und zu handeln. Aber das wäre ja doch etwas unbequem angesichts der Tatsache, dass diese älteren Generationen die Folgen des Klimawandels zum Großteil gar nicht mehr erleben werden.

Marina Wudy

Kolbermoor

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