Zur Berichterstattung über den geplanten Austritt von Großbritannien aus der EU:
England und der Brexit… eine unendliche Geschichte! Wenn man die politisch Verantwortlichen Englands heute sieht, so muss man Parallelen um 1900 ziehen. Damals hatte England mit seinem Empire die halbe Welt mit Kolonien besetzt und ihre rasch wachsende Bevölkerung wurde in Australien, Neuseeland, Kanada und USA „entsorgt“. Deutschland war nach dem 70er-Krieg und der zweiten Reichsgründung ein rasch wachsender Industriestaat. Stahlerzeugung in Millionen Tonnen, genauso viel wie England, Frankreich und Italien zusammengenommen, oder gleichviel wie die USA. Außerdem hatte Deutschland damals schon eine gut gehende chemische Industrie. Aus dem Jahr 1910 ist ein Gespräch überliefert, das Lord Balfour, der Chef der Konservativen mit dem amerikanischen Botschafter in London Henry White führte. Balfour: „Wir sind wahrscheinlich töricht, dass wir keinen Grund finden, um Deutschland den Krieg zu erklären“. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte die Gründung der Montanunion, dann der EWG mit sechs Ländern, gefolgt von der EU mit 28 Ländern. Schon in den 60er-Jahren wollten die Engländer Mitglied werden, doch der französische Staatspräsident de Gaulle hat sie nicht hereingelassen. Erst in den 70er-Jahren wurden sie Mitglied. In den 80er-Jahren sagte Premierministerin Margaret Thatcher: „I want my money back“! Ich will mein Geld zurück. Bei der ersten Brexitabstimmung hatte eine knappe Mehrheit von einem Prozent für den Austritt gestimmt, meistens ältere Leute, die immer noch von der glorreichen englischen Vergangenheit träumen, aber ihren jungen Leuten die Zukunft verbauen.
Wenn es ein harter Brexit wird, dann kann man damit rechnen, dass Schottland mit Nordirland aus dem Königreich austreten und wieder Mitglied in der EU werden. Dann verschwindet Restengland in die Bedeutungslosigkeit.
Franz Kriegl
Oberbergkirchen