Zum Artikel „Benedikt XVI. gibt 68er-Bewegung Mitschuld an Pädophilie“ (Politikteil):
Es ist nicht zu fassen! Der Versuch des Ex-Papstes, der 68-Bewegung eine Mitschuld an den verbrecherischen Missbrauchsfällen in seiner heiligen Institution unterzujubeln, ist schon dreist. Ich habe in meiner Jugend selbst erlebt, in welcher Weise die katholische Geistlichkeit in den 60er-Jahren in der saarländischen Provinz ihre Schäfchen unter Kontrolle zu halten wusste. Fälle vom Einsatz physischer Gewalt und psychischem Druck waren durchaus an der Tagesordnung. Dass sich dies dann langsam zum Besseren gewandelt hat, ist sicher nicht zuletzt der 68er-Bewegung und der damit verbundenen gesellschaftlichen Änderungen geschuldet. Die 68er waren also gewiss nicht notwendig, um Kirchenvertreter vom Pfad der Tugend abzubringen. Die Sichtweise des Ex-Papstes zeugt meiner Meinung nach eher von Altersstarrsinn und fehlendem Sinn für Realität als von geistiger Wachheit. Es tritt auf der alte Großinquisitor, der die Schuld nur woanders sucht und von den eigenen Versäumnissen und Fehlern ablenken will. Auch sein Beharren auf dem Unfehlbarkeitsanspruch passt in dieses Verhaltensmuster, entbehrt allerdings meiner Meinung nach jeder Grundlage. Solange Menschen, gleich in welchen Positionen oder Ämtern, weltlich oder geistlich, Entscheidungen treffen, sind Fehler und Irrtümer möglich. Allein die immer wiederkehrenden Wechsel der gerade aktuellen Lehrmeinungen, Dogmen und Positionen untermauern dies zur Genüge.
Aus meiner Sicht würde die Kirche gut daran tun, sich endlich ehrlich, umfassend und glaubwürdig um die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle zu kümmern und eine Strategie entwickeln, wie man künftig solche Verbrechen vermeiden will. Rückzugsgefechte und Ablenkungsmanöver wie das Positionspapier sind da eher kontraproduktiv. Es lässt sich abschließend nur noch festhalten: Erstens: Hätte er doch nur geschwiegen, so wie er es versprochen hat! Zweitens: Schuld ist immer der Täter.
Manfred Fischer
Mühldorf