Zum Leserbrief von Reinhard Deutsch „Wer nix wird, wird Politiker“:
Prinzipiell stimme ich Reinhard Deutsch zu. Allerdings sollte man nicht pauschal Politiker-Bashing betreiben, was ja geradezu zum Volkssport derjenigen wurde, die sich selber nicht engagieren und sich meistens auch nicht über tatsächliche Kausalitäten informieren. Wenn ich mir die Meinung der vielen sogenannten „Normalbürger“ (keine Politiker) anhöre, dann bin ich bei Gott froh, dass diese keine Politiker geworden sind. Zu deren Ehrenrettung muss ich feststellen, dass sie meistens den schlechten Journalisten nachplappern. In dem Fall Brexit muss man auch differenzieren. Es sind durchwegs rechte bis rechtsradikale Politiker, die sich mit blanken Lügen bei uninformierten Bürgern profilieren – das gilt auch für viele andere Länder. Warum sind viele Politiker so, wie Herr Deutsch sie beschreibt? Wir leben in einer auf naturwissenschaftlichen Erkenntnissen basierenden hochtechnisierten Gesellschaft – deshalb leben wir im Wohlstand. Welche Berufe haben die allermeisten Politiker? Juristen, BWL/VWL-er, Kaufleute, Soziologen, Verwaltungswirte oder „Finanzer“. Sie treffen fast alle wesentlichen Entscheidungen in unserer Gesellschaft und haben keine Ahnung über das Wissens-Fundament dessen, worüber sie entscheiden. Ich habe oft erlebt, dass diese Menschen sogar damit kokettieren, dass sie in der Schule bei Physik und Mathe eine Niete waren. Da sind auch die Ursachen des heutigen Qualität-Verfalls des Politiker-Handelns und deren Entscheidungen, zu suchen. Berufe wie Ingenieure, Handwerker, Bauern oder Krankenschwestern findet man unter Politikern kaum. Da sollten die Parteien, bei der Wahllisten-Aufstellung über Quoten nachdenken, damit dort Fach- und Sachwissen mit einfließt.
Martin Cretnik
Prien