Eisner war glühender Pazifist

von Redaktion

Zum Leserbrief „Die Schattenseiten des Kurt Eisner“ von Dr. Andreas Strasser:

Der Leserbriefschreiber versucht mit „Wikipedia-Wissen“ das Andenken an den ersten Ministerpräsidenten Bayerns zu diskreditieren. Den von etwa 100000 Menschen begleiteten Trauerzug von Kurt Eisner grenzt er auf die „progressiven Kreise Münchens“ ein. Bei einer Einwohnerzahl Münchens von etwa 600000 im Jahr 1919 eine wahrlich kühne These. Es ist richtig, dass Eisners USPD (Unabhängige Sozialdemokraten) bei den Wahlen am 12. Januar 1919 nur 2,5 Prozent der Stimmen erhielt. Zur Einordnung des Ergebnisses gehört aber unzweifelhaft die Tatsache, dass das von Eisner angestrebte Wahlbündnis von SPD und USPD nicht zustande gekommen war. Für viele Arbeiter war die SPD noch immer die Arbeiterpartei schlechthin; die Trennung von USPD und SPD war bei der Mehrheit der Bevölkerung nicht angekommen. Zum ersten Mal durften auch Frauen wählen. Offensichtlich sind viele Frauen der Wahlempfehlung der Ortspfarrer gefolgt und hatten nicht die Parteien gewählt, die das Frauenwahlrecht durchgesetzt hatten.

Wichtig ist festzuhalten, dass Eisner, nachdem er sich einen näheren Überblick über die Ereignisse verschafft hatte, die zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs geführt hatten, seine Meinung änderte und zu einem glühenden Pazifisten wurde. Zitierenswert ist ein Satz aus der Rede von Heinrich Mann bei der Trauerrede zu Kurt Eisner: „Die hundert Tage der Regierung Eisner haben mehr Ideen, mehr Freuden der Vernunft, mehr Belebung der Geister gebracht als die fünfzig Jahre vorher.“ Was bleibt aus dieser Regierungszeit? Abschaffung der Monarchie, Wahlrecht für alle Bürger, der Acht-Stunden-Tag, Abschaffung der geistlichen Schulaufsicht und Stärkung der Arbeitnehmerrechte.

Gert Hilger

Waldkraiburg

Artikel 10 von 11