Zur Berichterstattung zum Thema Organspende sowie zu Leserbriefen.
Wie überzeugen Jens Spahn oder Professor Eckhard Nagel eine Mutter davon, einem Vergewaltiger oder Mörder ihres Kindes, durch ihre Organspende, sein Leid zu lindern und ihm Nächstenliebe zu gewähren? Es kann doch nicht sein, dass von mir Hilfe, ethische und moralische Pflicht gegenüber einer Person erwartet wird, die eiskalt und rücksichtslos Leid und Qualen zugefügt hat. Personen, die ihre „Pflicht in der solidarischen Gesellschaft“ nicht erfüllen, sollten keine Rechte haben. Schon gar nicht auf ein längeres Leben durch eine Organspende eines Opfers, dessen Angehörigen oder der Gemeinschaft. Ich kann nicht verantworten einer Person, die anderen das Leben oder die Lebensqualität genommen hat, durch meine Organspende ein fröhliches Leben zu ermöglichen.
Alfred Hinterwimmer
Rosenheim
Was Jens Spahn durchsetzen will, ist mit dem Grundgesetz nicht vereinbar, denn da ist festgelegt, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Meine Organe gehören mir und nicht irgendjemand anderem. Niemand hat das Recht, über meine Organe zu verfügen – es sei denn, ich stimme dem ausdrücklich zu. Dessen ungeachtet will Spahn, dass der Staat sagen kann: Dein Körper gehört mir. Ich gestehe Dir nur das Recht zu, dagegen Widerspruch einzulegen. Dieses Widerspruchsrecht wird dem Bürger als Freiheit verkauft, nachdem man ihn vorher zum Leibeigenen gemacht hat, denn nichts anderes wird diese Widerspruchslösung für die meisten Menschen in der Praxis bedeuten. Kranke Menschen hoffen auf Hilfe durch ein neues Organ. Um eventuelle Bedenken zu zerstreuen, wird ihnen erzählt, dass das infrage kommende Organ einem Verstorbenen entnommen wurde. Nach christlicher Lehre gibt es ohne Seele kein menschliches Leben. Verlässt diese den Körper, sind auch die Organe tot. Der sogenannte Hirntod ist daher nicht der Tod des Menschen, sondern nur eine Phase im Sterbeprozess. Der Tod tritt dann durch die Organentnahme ein. Der eigentlich Skandal aber ist die Hybris des Menschen, der sich die Austauschbarkeit von allem was lebt, zu eigen macht. Für den Fortschrittsgläubigen sind solche Gedanken natürlich die der ewig Gestrigen. Indes, der Natur sind die Meinungen der Menschen vollkommen egal. Sie folgt ihren eigenen Gesetzen. Wir sollten daher bedenken, ob nicht die vermeintlichen Vorteile durch Manipulationen am Leben, nicht zu langfristigen Nachteilen und irreparablen Schäden für die nachfolgenden Generationen werden können.
Heinz Bornemann
Bad Bentheim
Herr Spahn will in Deutschland eine Widerspruchslösung bei Organspenden durchsetzen. Demnach wird jeder künftig automatisch Organspender, so lange er oder die Angehörigen nicht ausdrücklich widersprochen haben. Mir ist bewusst, dass viele schwerkranke Menschen, die dringend auf ein Organ warten, keine Hoffnung mehr auf Gesundheit und keine Lebensqualität mehr haben, dem nahen Tode geweiht sind, und damit in massive existenzielle Nöte geraten. Nur ein Spenderorgan könnte für die Betroffenen eine Wende bringen und das Leben – zumindest für eine begrenzte Zeit – wieder lebenswert machen! Diese Menschen haben mein vollstes Mitgefühl! Aus folgenden Gründen ist die Widerspruchslösung abzulehnen. Erstens: der Hirntod. Mehr als 40 Jahre lang gibt es ernst zu nehmende Proteste aller wissenschaftlichen Fakultäten, den Hirntod mit dem Tod des Menschen gleichzusetzen. Zweitens: der rechtliche Aspekt. Die Möglichkeit des Abschaltens der lebenserhaltenden Geräte ist sehr fragwürdig, weil Manipulationen, Beeinflussungen, Entscheidungen zum Schaden des Patienten und zum Nutzen beispielsweise der Erben befürchtet werden müssen. Drittens die Frage: Empfinden Hirntote während der Organentnahme Schmerzen? Der Organspender gilt als tot. Beim Aufschneiden des Körpers kommt es jedoch in vielen Fällen zum Anstieg von Blutdruck, Herzfrequenz sowie einer erhöhten Adrenalinausschüttung. Das heißt, dass die Organspender eindeutig Schmerzen empfinden! Die Gesellschaft wird mit ihrer Angst vor dem Sterben so manipuliert, dass wir uns alle nur in der Rolle der Organempfänger sehen sollen, aber nicht als Lieferant. Jeder hofft, auf Kosten eines anderen zu überleben. Wir steuern auf die recyclebare Menschheit zu!
Alfred Hinterwimmer jun.
Sankt Erasmus