Zu den Berichten über die Missbrauchsskandale in der Kirche, den Kommentar „Das Leiden an der Kirche“ von Claudia Möllers, dem Artikel „Heikle Debatte in der Karwoche“ (Politikteil) sowie zu Leserbriefen:
Der Vatikan kommt aus den negativen Schlagzeilen nicht heraus, und will es anscheinend auch nicht. Nachdem Missbrauchsskandale jahrelang verdrängt und vertuscht worden sind, will uns nun der emeritierte Papst Benedikt XVI. weismachen, dass die Missbrauchsursache die sexuelle Revolution von 1968 sei. Und Kardinal Gerhard Ludwig Müller lobt Benedikt, er habe „die Eiterbeule aufgestochen“ und sein Beitrag sei „intelligenter als alle Beiträge der neunmalklugen Moral-Experten bei der deutschen Bischofskonferenz“ – ein unsäglicher Affront gegen die deutschen Bischöfe. Und nun sieht man auf einem Foto, wie Papst Franziskus sich zu Boden wirft und dem Präsidenten des Südsudan, Salva Kiir, die Füße küsst. Das ist eine fragwürdige Geste gegenüber einem Präsidenten, dem Bereicherung, Korruption, Machtmissbrauch und Vetternwirtschaft vorgeworfen werden. Aufgedeckt wurden diese Fakten durch das Projekt Sentry, das Dossiers über Kriegsverbrechen erstellt. Damit wird eine Strafverfolgung derer ermöglicht, die Völkermorde und andere Verbrechen finanzieren. Lobenswert: Der politisch engagierte Hollywoodstar George Clooney hat Sentry dafür über eine Million US-Dollar gespendet.
Dr. Richard Kirchlechner
Rott
„Si tacuisses, philosophus mansisses“ („Wenn du geschwiegen hättest, wärst du ein Philosoph geblieben“) – was Claudia Möllers Benedikt XVI. vorwirft, trifft wohl eher auf sie selbst zu. Als Franz Josef Strauß dem Bundeskanzler Konrad Adenauer vortrug, dass Verteidigungsminister Blank die Aufrüstung der Bundeswehr zu hastig vorantreibe, sagte Adenauer zu ihm: „So lange ich Bundeskanzler bin, werden Sie nie Verteidigungsminister. Strauß fand sich damit ab und fuhr in Urlaub. Danach bot ihm Adenauer das Verteidigungsministerium an. Als Strauß ihm vorhielt, dass er gesagt habe, solange er Bundeskanzler sei, werde er, Strauß, nie Verteidigungsminister, sagte Adenauer zu ihm: „Herr Strauß, nehmen Sie es einem alten Mann übel, dass er noch seine Meinung ändern kann?“ Damit gab sich Strauß geschlagen – und was für Adenauer recht war, muss für Benedikt XVI. billig sein. Man kann ja bei seiner Missbrauchsanalyse verschiedener Meinung sein, aber dass er sich zum „Fürsprecher der Reformverweigerer“ macht, ist eine infame Unterstellung. Warten wir ab, was der synodale Weg der deutschen Bischöfe am Ende bringt.
Thaddäus Weindl
Raubling
Ich kann mir gut vorstellen, dass es Priester, die sich nichts zuschulden kommen lassen, nicht immer leicht haben mit der aktuellen Situation der Kirche. Doch deren Schicksal mit den auf den mittelalterlichen Scheiterhaufen verbrannten Unschuldigen zu vergleichen, empfinde ich als sehr vermessen! Wir können uns nicht einmal annähernd vorstellen, welche Grausamkeiten im Namen der Kirche schon begangen worden sind! Natürlich ist jeder einzelne Missbrauchsfall schlimm, wo auch immer er passiert. Doch – hier gebe ich Herrn Gottinger recht – die Fälle im kirchlichen Umfeld wiegen natürlich besonders schwer. Wer selbst im Glashaus sitzt… Niemand kann mir erzählen, dass die Wurzel des Übels nicht in der einseitig männlichen Ausrichtung der Kirche liegt. Und in der Aufrechterhaltung des völlig unnatürlichen Zölibats. Ich kann nur hoffen, dass die Verantwortlichen der Kirche begriffen haben, dass es jetzt um alles geht. Aufgabe wäre jetzt, die Chancen zu erkennen und zu nutzen, um überfällige Änderungen endlich durchzusetzen.
Lisa Wallner
Rosenheim
Schon seit Wochen und Monaten beschäftigt sich die Konzilskirche mit ihren alten Problemen. Bei den Missbrauchsfällen ist es völlig unverständlich, dass diese Täter nicht sofort aus den Priesterstand entfernt und gleich der Justiz überstellt werden. Es ist schon beschämend genug, dass dabei der gesamte Priesterstand schlechtgemacht wird, weil unsere Massenmedien und TV-Sender alle in einen Topf werfen, heißt: alle werden beschuldigt! Ist es nicht unsere Aufgabe, die guten Priester besser zu schützen und auch zu beschützen? Außerdem hat die Austrittswelle nicht nur mit den Missbräuchen zu tun – wie immer irrtümlich behauptet wird – das muss hier schon einmal ganz klargestellt werden. Viele Leute kehren der modernen Kirche den Rücken, weil sie nicht mehr den tiefreligiösen christlichen Glauben mit unserem Herrgott im Mittelpunkt vorfinden! Solange all unsere deutschen Purpurträger und der Papst im Vatikan so verbissen – wie ein Hund an seinen Knochen – an ihren Zweiten Vaticanum festhalten, werden ihre Kirchen noch leerer werden. Es gibt ein schönes klassisches Beispiel in der Trachtenbewegung. Erfreulicherweise, so Landesvorsitzender Max Bertl, gehen mehr junge Leute zu den Trachtenvereinen, weil sie dort Halt und die alten festen Strukturen seit der Gründung der ersten Trachtenvereine vorfinden. Ein Obmann hat dazu einmal gesagt: „Wir machen das, was auf unseren Fahnen steht, aber wenn wir so arbeiten würden, wie die Kirche, dann gäbe es uns schon lange nicht mehr!“ Da könnten sich die Verantwortlichen der Konzilskirche eine große Scheibe davon abschneiden.
Jakob Grandl
Riedering