Erst nachdenken, ob das wirklich sein muss

von Redaktion

Zum Kommentar von Christian Vordemann „Klima erfordert Waldumbau: Naturverjüngung kann gelingen“:

Es mag ja richtig sein, dass ein gut strukturierter Mischwald mit unterschiedlichem Altersklassenaufbau widerstandsfähiger ist als eine gleichaltrige Fichtenmonokultur. Aber vergleichen Sie hier nicht zwei Extreme? Ob Laubwald widerstandsfähiger gegen Sommerstürme ist, haben Sie sicher nicht feststellen können. Ist das Wild schuld an der von der Forstwirtschaft jahrzehntelang gelehrten und praktizierten Kahlschlagswirtschaft? Gelingt eine Naturverjüngung immer ohne Wild? Oder sind hier noch andere Voraussetzungen erforderlich? Warum simplifizieren Sie das so stark? Ich lade Sie ein, in mein Rehwildrevier zu kommen. Dort hat sich dank Fütterung und anderer Maßnahmen bei einem guten Wildbestand eine explosive Tannenverjüngung entwickelt – dort, wo genügend Licht den Waldboden erreicht. Wenn Boden, Samenpotenzial und Licht passen, kommt auch bei viel Wild die Naturverjüngung. Wenn diese Faktoren fehlen, kommt auch ohne Wild keine Verjüngung zustande!

Finden Sie es nicht unfair, so stark zur Tötung durch erschießen oder verhungern lassen unseres Wildes, auch des vom Aussterben bedrohten Gamswildes, aufzurufen? Im Übrigen ist Fütterung in Notzeiten im Gesetz vorgeschrieben. Hier das Wild runterzureduzieren auf einen Schädling, es in einem ideologischen Krieg auszuhungern und ohne Schonzeiten zu bekämpfen, ist schändlich. Man hat das Rotwild in die Berge zurückgedrängt, ihm die Wintereinstände im Flachland genommen – und jetzt kommt die Räumungsklage! Bevor man zur Tötung aufruft, sollte man nachdenken, ob das sein muss!

Arthur Ehling

Kraiburg

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