Zum Leserbrief von Gert Hilger „Eisner war glühender Pazifist“ (Lokalteil):
Der Leserbriefschreiber sieht das Andenken an den „glühenden Pazifisten“ Kurt Eisner „diskreditiert“ durch meinen Hinweis auf dessen Rolle vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges. 1914 hat er nämlich als Redner auf großen SPD-Veranstaltungen gegen das „zaristische Russland“ und ein von ihm behauptetes „Kosakentum“ gehetzt. Russland war für ihn eine übermächtige Gefahr für Europa, gegen die man sich wehren müsse.
Der Leserbriefschreiber bestreitet diese Hetztiraden auch gar nicht, wischt sie aber mit dem Argument beiseite, Eisner habe sich halt erst nach Kriegsausbruch „einen näheren Überblick“ verschafft und daraufhin seine Meinung zu Russland geändert. Jedoch, von einem Journalisten und Chefredakteur mit politischen Ambitionen, wie Eisner einer war, kann und muss man erwarten, dass er sich gerade vor einem drohenden Krieg den „näheren Überblick“ über die Fakten verschafft. Es geht nicht an, sich wie Eisner ohne Faktengrundlage als Anti-Russland-Hetzer zu betätigen. Wer vor Kriegsausbruch die Angst vor Russland schürt, kann nach Ausbruch nicht mehr zum „glühenden Pazifisten“ werden, auch wenn er, wie der Leserbriefschreiber argumentiert, als Ministerpräsident viel Gutes geleistet habe. Das reicht allenfalls zu einem „geläuterten Pazifisten.“ Die Schuld jedoch, sich vor dem Krieg nicht für Frieden eingesetzt, sondern den Krieg befördert zu haben, wird ewig mit Kurt Eisner verbunden bleiben.
Dr. Andreas Strasser
Bruckmühl