Mathe-Abitur sorgt für Wirbel

von Redaktion

Zum Artikel „Aufstand gegen das Mathe-Abitur“ (Bayernteil):

Das OVB hat eine „Kopfnuss“ aus dem Mathe-Abitur abgedruckt, die, wie es hieß, zahlreiche Abiturienten zur Verzweiflung brachte und die auch mit die Ursache für eine Online-Petition war. Wenn die Schwierigkeit der abgedruckten Aufgabe repräsentativ für die anderen Aufgaben war, kann ich die Aufregung nicht nachvollziehen. Ich zweifle eher am offensichtlichen Unvermögen mancher Schüler, eine eher simple Textaufgabe zu verstehen und auf den Kern reduzieren zu können. So wie ich das sehe, handelt es sich bei dieser Aufgabe nicht um Stochastik, beim Lösen geht es um einfachstes kaufmännisches Rechnen, fast Kopfrechnen: Umsatz minus Wareneinsatz ergibt den Gewinn; die Mehrwertsteuer bleibt hierbei offenbar außen vor. Das wäre der einzige echte Kritikpunkt. Auf die Aufgabe bezogen heißt das: Der Lospreis für die Kunden beträgt einen Euro, der Gewinn für den Verkäufer soll 0,35 Euro je Los sein, also ist der Wareneinsatz 0,65 Euro je Los. Auf ein teures Acht-Euro-Los kommen vier Zwei-Euro-Lose, dem Losverkäufer kosten fünf Lose der teuren Kategorie zusammen 16 Euro, fünf Lose der billigen Kategorie kosten zusammen nur einen Euro. Letztendlich dreht es sich bei der Lösungsfindung um die Frage: Wie viele Billiglose hat der Losverkäufer im Lostopf? Da ich weiß, dass 100 Lose im Einkauf 65 Euro kosten müssen (der Wareneinsatz), und fünf der teuren Lose zusammen 16 Euro, finde ich allein schon durch Probieren heraus, dass der Losverkäufer 15 teure (drei Lose zu acht Euro plus zwölf Lose zu zwei Euro – Preis 48 Euro) gekauft haben muss und dazu noch 85 billige Lose (Preis 17 Euro – errechnet sich aus Wareneinsatz 65 Euro minus 48 Euro für die teuren Lose). Bei einer Stückzahl von 100 gibt das den gesuchten Losanteil von drei Prozent der teuersten Lose im Lostopf. Warum krampfhaft nach mathematisch vermeintlich „hochwertigen“ Lösungen suchen, wenn’s einfach und schnell geht? Mein Abi am LTG in Prien ist übrigens 51 Jahre her.

Konrad Bauersachs

Rosenheim

Seit vielen Jahren werden Kinder, zumeist von ihren Eltern – oft schon zum Übertritt mit etlichen Hilfestellungen – auf dem Gymnasium positioniert. Wenn vielfach ab der untersten Jahrgangsstufe bis in die Oberstufe nur mit Nachhilfeunterricht und Leidensdruck die schulische Leistung erbracht werden kann, stellt sich die Frage, ob die Kinder die für sie richtige Schule besuchen. Jeder Mensch soll an seiner Tätigkeit Freude haben. Dies gilt im Besonderen für Kinder, da sie von den Entscheidungen ihrer Erziehungsberechtigten abhängig sind. Meine drei Söhne schlossen ihre schulische Laufbahn mit dem qualifizierenden Hauptschulabschluss, der mittleren Reife und – vor zwei Jahren – dem Abitur ab. Mittlerweile sind zwei Meister in dem von ihnen ausgeübten Handwerksberuf und der Abiturient macht im Moment ebenfalls eine Handwerkslehre. Danach möchte er entweder studieren oder doch in seinem Beruf arbeiten. Allen dreien ist unverständlich, dass die Abiturprüfungen – namentlich in Mathematik – zu schwer gestaltet seien. Es war seit jeher so, dass der Schwierigkeitsgrad von Prüfungen, unabhängig von der Schulart und vom Fach, von Jahr zu Jahr schwankte. Wir sind der Ansicht, wenn sich das Kind auf der richtigen Schule befindet, meistert es die Prüfungen – ob schwieriger oder leichter, spielt dann nur eine untergeordnete Rolle. Lasst euren Kindern ihr Mitspracherecht, auch wenn sie noch klein sind – die meisten spüren, was für sie richtig ist.

Tina Kaffl

Bad Feilnbach

In der Oberrealschule Rosenheim, heute Finsterwalder-Gymnasium, begannen wir im vierten Schuljahr im Alter von 14 Jahren im Mathematikunterricht mit dem Fach Algebra. Wir hatten Gleichungen mit einer oder zwei Unbekannten zu lösen, später erhielten wir Textaufgaben, und mussten die entsprechenden Gleichungen finden. Im aktuellen Mathe-Abitur kam eine ähnliche Aufgabe vor. Ein Losverkäufer, der zweierlei Sachpreise im Verhältnis von 1:4 anbietet, muss die Anzahl der Trostpreise festlegen, um 35 Prozent Gewinn zu machen. Diese Aufgabe ist mitten aus dem Leben gegriffen, und hatte nicht mehr Text als nötig. Ich konnte sie, 60 Jahre nach meinem Abitur, mit einer Gleichung mit einer Unbekannten lösen. Mir ist unverständlich, dass sogar ein Schulleiter in dieser Aufgabe eine „ausufernde Textlastigkeit“ sieht, und die „schäumenden“ Schüler in einer Online-Petition davon sprechen, sie seien bei dieser Aufgabe „semantisch zugemüllt worden“.

Dr. Richard Kirchlechner

Rott

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