Zur Berichterstattung über den Brenner-Nordzulauf (Bayern-, Regional- und Lokalteil):
Wer schon mal an einer dieser unseligen Lkw-Schlangen entlang in den Süden gefahren ist, kann nicht gegen den Brenner-Nordzulauf sein: Dieser Verkehr muss auf die Schiene! Wenn man sich aber näher mit dem Thema und den Argumenten der Bürgerinitiativen befasst, dann stellt man fest, dass die Argumente absolut objektiv und stichhaltig sind. Es ist müßig, wieder und wieder auf die einzelnen Argumente und die Unstimmigkeiten dieses Projekts einzugehen, die sind alle in Vorträgen, Präsentationen, Flyern und Plakaten formuliert. Der wichtigste Hebel ist, mehr Bürger zu mobilisieren und wachzurütteln, die sich mit der Thematik auseinandersetzen. Mir fällt im Bekanntenkreis auf, dass das immer noch zu wenig sind. Jeder, der sich damit eingehender beschäftigt, wählt wohl zukünftig keine CSU mehr und nur die Aussicht auf weniger Wählerstimmen würde Herrn Scheuer wohl einmal ernsthaft über unsere Heimat nachdenken lassen. Ich fürchte aber, das ist ein frommer Wunsch. Wenn man sieht, wie Herr Scheuer mit den Argumenten der Bürgerinitiativen umgeht, dann spricht das eine deutliche Sprache. In jeder Firma, in jedem Verein wird mit aufwendigen Präsentationen versucht, Andersdenkende ins Boot zu holen und zu überzeugen und Herr Scheuer wedelt mit einem DIN-A4-Blatt – und das bei einem Mega-Projekt dieser Größenordnung! Es geht nicht um eine sachliche Bewertung der Notwendigkeit, es geht um handfeste wirtschaftliche Interessen.
Franz Fischbacher
Tattenhausen
Ergebnis der Besprechung mit Bundesverkehrsminister Scheuer war eine Reduktion der bisherigen Grobtrassen auf 5 + 1, wobei Letztere für eine Prüfung der Bestandsstrecke steht. Man wird sehen, ob solch eine Lösung gefunden werden kann. Ich vermute eher nicht, weil aufgrund trilateraler Vereinbarungen zwingend durchgängig vier Gleise zwischen München und Verona erforderlich sind. Die Reduktion der Neubautrassen wird auch nicht zu einer entsprechenden Reduktion des Widerstandes in der Region führen, weil der Eingriff in die Landschaft bei jeder Variante groß ist. In einem Leserbrief hatte ich vorgeschlagen, zu prüfen, ob nicht nur eine, sondern mehrere Bestandsstrecken alternativ zu einer Neubautrasse ertüchtigt werden könnten. Ich denke dabei an die Bestandstrasse Rosenheim-Freilassing (zweigleisig, elektrifiziert). Diese erhält durch das Ausbauprojekt ABS 38 des Bundesverkehrswegeplanes eine zweigleisige, elektrifizierte Verbindung nach Mühldorf/ München. Zur Umgehung des Knotens Rosenheim bestünde dabei die Möglichkeit einer Tunnelstrecke zwischen Bernau und der Verknüpfung Niederaudorf mit einer Weiterführung der Tunneltrasse Richtung Verknüpfung Schaftenau, wodurch der Grenzübertritt viergleisig wäre. Des Weiteren sollte auch die eingleisige Trasse Mühldorf-Rosenheim einbezogen werden, wobei voraussichtlich eine Elektrifizierung und einige Begegnungsgleise ausreichen. Damit wären in Deutschland zusätzliche Kapazitäten für den Gütertransport auf der Brennerroute unter teilweiser Umgehung des Knotens München möglich. Dies käme letztlich der vorgesehenen zweigleisigen Neubautrasse gleich und würde eine solche zwischen Grafing und Niederaudorf entbehrlich machen.
Manfred Kreibig
Pocking