Zum Leserbrief von Anton Tiefenthaler „Von der Natur lernen“:
Herr Tiefenthaler ist also nicht nur im Besitz einer eigenen, „objektiven“ Meinung (= absolute Wahrheit), sondern verfügt auch über gesunden Menschenverstand. Hut ab vor so großer Bescheidenheit! Immerhin erfreulich, dass er die AfD als das benennt, was sie ist: eine Rechtspartei. Sein Vorschlag aber, der AfD eine Bewährungschance als Regierungspartei zu geben, da man sie nach vier Jahren abwählen könne, ist weniger durchdacht. Als zuletzt eine Rechtspartei in Deutschland regierte, gab es die letzte Wahl, bei der mehr als eine Partei zugelassen war, im März 1933, die nächste im August 1949. Dass die AfD nicht so harmlos ist, wie viele glauben mögen, zeigen Aussagen einiger Parteimitglieder, die diese Partei als „extremistisch“ und in Teilen als „zu allem fähig“ bezeichnen, wie es ein Markus Plenk getan hat, der wohl weiß, wovon er spricht. Pervers ist es, wenn Herr Tiefenthaler von ihm gewählte Beispiele aus der Tierwelt auf Menschen, hier natürlich die „Migranten“, überträgt. Diese Form des Biologismus pflegten auch die Nationalsozialisten, etwa in Form des Sozialdarwinismus.
An Zynismus kaum zu überbieten ist der Vergleich von „Migranten“ mit einem Schädling wie der Varroa-Milbe. Das erinnert an die dunkelsten Stunden der deutschen Geschichte. Im Übrigen ist die Geschichte der Menschheit schon immer auch eine Geschichte von – nicht immer friedlichen – Wanderungen gewesen, auch wir „Bayern“ oder „Deutsche“ sitzen nicht seit der Steinzeit in unserem heutigen Gebiet, das heißt: Der Mensch „pfuscht“ seit jeher in die Natur, wie Herr Tiefenthaler den Vorgang der Migration nennt.
Bernward Schmidt
Prutting