Zum Leserbrief von Dr. Stephan Maria Hitzel „Heiße Debatte um Kirchenstreik“:
Herr Dr. Hitzel hält Frau Aigner vor, dass ihre Äußerungen keiner historischen, theologischen und katholischen Prüfung standhalten würden. Doch auch die Ausführungen des Herrn Dr. Hitzel sind nicht einwandfrei. Es ist ein Irrtum, dass Jesus Priester eingesetzt hätte. Der Priesterstand hat sich erst nach und nach entwickelt. Zunächst waren dies die Gemeindeältesten, verheiratete Männer und Frauen, die Presbyter, die es übrigens auch schon im alttestamentlichen Israel gab. Sie haben in ihren Häusern das Brotbrechen gefeiert und sind dieser Feier vorgestanden. Im Neuen Testament werden sie zuerst in der Apostelgeschichte in Antiochia erwähnt. Auch in der Jerusalemer Urgemeinde gab es „Älteste“. Sie wurden von den Aposteln berufen und eingesetzt mit Zustimmung der Gemeinde. Die Begriffe „Ältester“ und „Bischof“ wurden synonym gebraucht. Die Bezeichnung „Priester“ ist erst seit dem 4./5. Jahrhundert geläufig. Jesus hat die Ehelosigkeit von Priestern weder empfohlen, noch verboten. Zwar gab es den Zölibat bereits in der antiken Kirche, jedoch auf freiwilliger Basis. Zur Pflicht wurde der Zölibat erst um die Jahrtausendwende, und zwar nicht aus theologischen, sondern aus profanen Gründen. Bemerkenswert ist auch, dass die Ehelosigkeit nur bei Matthäus erwähnt wird, nicht bei den anderen drei Evangelisten. Auch Paulus spricht in keinem seiner Briefe von einer Pflicht zum Zölibat, auch ist hier nicht von Priestern die Rede.
Georg Gottinger
Taufkirchen