Maß halten bei Klimazielen

von Redaktion

Zum Kommentar von Christian Deutschländer „FDP warnt vor Klima-Hysterie – das Schwanken zwischen Extremen“:

Nach dem letzten Weltkrieg forderte der damalige US-amerikanische Finanzminister Henry Morgenthau, die deutsche Wirtschaft durch eine völlige Deindustrialisierung derartig zu schwächen, dass von Deutschland nie wieder ein Krieg angezettelt werden könnte. Deutschland sollte zu einem Agrarland umgewandelt werden. Weil es nicht dazu gekommen ist, konnten wir binnen Jahrzehnten wieder einen komfortablen Wohlstand erwirtschaften. Jetzt mehren sich aber die Forderungen, alles zu unternehmen, unseren deutschen Anteil am jährlichen Welt-CO2-Ausstoß deutlich zu verringern. Ins Visier geraten sind Teile unserer Industrie, bei deren Prozessen bedeutende Mengen an CO2 anfallen. Da Naturgesetze sich par ordre de mufti aber nicht außer Kraft setzen lassen, wir aber runterkommen wollen (oder müssen) von unserem CO2-Beitrag, scheint die Deindustrialisierung à la Morgenthau am effektivsten. Bei einem Verzicht auf die CO2-Emittenten in der Industrie könnte das angestrebte Ziel sicher in einigen Jahren erreicht werden. Unser Klimaziel wäre erreicht, aber wir hätten der Welt nichts mehr à la „Made in Germany“ anzubieten. Die in diesen Industriebereichen tätigen Arbeiter wären arbeitslos und könnten dann wohl kaum auf eine Grundsicherung hoffen, denn diese Dimensionen an Arbeitslosigkeit mit ihren verheerenden Folgen können sich die meisten der heutigen politischen Meinungsführer offenbar nicht vorstellen.

Deshalb begrüße ich den Aufruf, bei der aktuell überhitzten Diskussion um Klimaziele Maß zu halten und nicht ideologischen Wortführern hinterherzulaufen. Negative Folgen einer überhasteten Politik müssten dann von einer späteren Generation geschultert werden, und ob die dann tätigen politischen Meinungsführer damit fertig werden, erscheint zweifelhaft.

Dr.-Ing. Gerd Hieber

Prien

Artikel 2 von 11