Zum Leserbrief von Arthur Ehling „Erst nachdenken, ob das wirklich sein muss“:
Schwer verständlich, warum Herr Ehling über den Kommentar von Christian Vordemann derart in Rage geraten ist. Herr Vordemann schreibt unter anderem lediglich von jagdlichen Missständen, von denen es immer noch zu viele gibt. Das behauptete „drohende Aussterben des Gamswildes“ ist eine bloße Mär. In Bayern werden bei einem Anteil von nur drei Prozent an der gesamten Alpenfläche Jahr für Jahr gut 4000 Gämsen erlegt. Dazu sind die bayerischen Berge im Schnitt niedriger und weisen deutlich weniger Flächenanteile an Fels- und Mattenregionen auf als die Gebirge der anderen Alpenländer. Entsprechend ist dort der Gamsabschuss zigfach höher als bei uns. Offenbar hält Herr Ehling sehr viel von Rehfütterung und Äsungsverbesserung. Aber stichhaltige Belege für eine maßgebliche verbissmindernde Wirkung dieser Maßnahmen gibt es leider nicht. Dazu ein Beispiel: Im Nürnberger Reichswald wurde in einer Versuchsanordnung in einem Revier ganzjährig gefüttert, in einem zweiten Äsungsverbesserung (Wildäcker und -wiesen) betrieben und in einem Vergleichsrevier nichts dergleichen gemacht. Die Versuchsauswertung erbrachte das ernüchternde Ergebnis: trotz hoher Ausgaben für Fütterung beziehungsweise Äsungsverbesserung keine existenzielle Verminderung der Verbissbelastung.
Gelingende gemischte Waldverjüngungen bei einem das Jägerherz erfreuenden hohen Wildbestand war jahrzehntelang utopischer Traum vieler Jäger und leider auch nicht weniger Förster. Für den gemischten Wald war und ist dieses realitätsferne Wunschdenken fatal. Deshalb freut es mich als langjähriger Jäger und Förster, dass inzwischen viele Forstleute und zunehmend mehr Waldbesitzer zu der Einsicht gelangt sind, dass ein waldangepasster Wildbestand zwar nicht alles bedeutet, dass aber ohne waldverträgliche Jagd alles andere nichts ist.
Hans Soyer
Rosenheim