Zum Leserbrief von Armin Rieble „Jesus ist mit seinem ehelosen Beispiel vorangegangen“:
Dass Jesus ehelos gelebt hat, ist nicht bewiesen. Dass es im Neuen Testament nicht ausdrücklich erwähnt wird, ist noch kein Beweis. Rabbiner – Jesus wurde von seinen Jüngern „Rabbi“ genannt – waren üblicherweise verheiratet. Es war eher ungewöhnlich, dass ein Rabbiner nicht verheiratet war. Die Jünger haben auch nicht „alles verlassen“. Jesus hätte es nicht zugelassen, dass ihre Familien in materieller Not zurückgeblieben wären. Entweder waren sie in damals üblichen Großfamilien aufgehoben oder sie sind mit ihren Männern und mit Jesus mitgezogen. Von Petrus weiß man, dass er seine Frau und seine Tochter sogar mit nach Rom mitgenommen hat und seine Frau ist vor seinen Augen den Märtyrertod gestorben. Er soll ihr sogar noch zugerufen haben: „Bleib standhaft!“ Die Synode von Elvira war sehr rigoros in ihren Beschlüssen, zum Beispiel, was den Umgang mit Juden betraf. Im 16. Jahrhundert galten die Beschlüsse als häretisch. Die Ostkirche hat die Synode nicht anerkannt. In Karthago haben viele Synoden stattgefunden; da müsste man erst einmal klären, welche gemeint ist. In 1 Tim 3,2 heißt es: „…der Bischof sei eines Weibes Mann…“, das heißt, dass zur Zeit Paulus und kurz danach Bischöfe noch verheiratet waren. Es kann also kein kirchliches Dogma sein, dass Kleriker ehelos zu leben haben.
Georg Gottinger
Taufkirchen