Zur Berichterstattung über die Europawahl (Politikteil):
Manfred Weber zeigt sich in einem Interview immer noch „tief enttäuscht“ von seiner Niederlage im Rennen um das Amt des EU- Kommissionspräsidenten. Dabei war – leider – seine Niederlage fast vorprogrammiert: Obwohl er Vorsitzender der EVP-Fraktion ist, die aus der Europawahl 2019 als stärkste Fraktion hervorging, sind der EVP meiner Meinung nach zwei fundamentale Fehler unterlaufen: Sie hatte als Vorsitzenden – also Manfred Weber – einen Politiker gewählt, der noch nie Regierungsverantwortung und damit Regierungserfahrung hatte, sei es in einem Bundesland oder in der Bundesregierung. Ja, er war noch nicht einmal Bürgermeister in einer Gemeinde. Damit war natürlich kaum Akzeptanz bei europäischen Spitzenpolitikern für ihn gegeben. Und Weber spricht – für einen europäischen Politiker völlig unakzeptabel – neben moderatem Englisch kein Französisch und dies in einem EU-Parlament, in dem Frankreich eine zentrale Rolle spielt! Nein, ich glaube, nicht Manfred Weber ist gescheitert, sondern die EVP-Fraktion im EU-Parlament, weil sie keinen professionellen Spitzenkandidaten aufgestellt hat. Wäre dies der Fall gewesen, hätte das sogenannte „Spitzenkandidatenprinzip“ durchaus greifen können!
Kurt Kantner
Rosenheim