Zum Leserbrief von Manfred Kreibig „Ein Opfer für Europa“:
Während das OVB ausgewogen über die konträren Studien zum Brenner-Nordzulauf berichtete, sieht Herr Kreibig aus Pocking in den Tirolern die Opfer von Deutschlands Wirtschaft und Wohlstand infolge des (gegenwärtig sinkenden) deutschen Warengüterstroms Richtung Italien. Sind die bayerischen Bewohner des Inntals also keine Opfer des Transitverkehrs, weil alle diese Güter bis nach Kufstein gebeamt und erst dort auf Lastwagen verladen werden? Und was ist mit dem innerösterreichischen Zugverkehr, der durchs bayerische Inntal rollt, obwohl es mit dem Ausbau der Strecke Wörgl-Lofer-Salzburg eine Alternative gäbe? Da hält man den Bayern vor: Wir sind doch alle Europäer, was soll diese Kleinstaaterei! Mein Mitgefühl mit den Tirolern hält sich in Grenzen, seit ich weiß: Das Outlet-Center Brenner hat etwa zwei Millionen Kunden pro Jahr, von denen viele keine durchreisenden Touristen sind, sondern Nord- und Südtiroler, die nur mal schnell zum Einkaufen auf den Brenner fahren und sich gleichzeitig über die vielen Lastwagen beklagen, die die Autobahn verstopfen. Die dort oben angebotenen Waren werden aber per Lkw hinauf und mit dem Pkw wieder herunter transportiert – das wird weder der Brennerbasistunnel noch der Bau von Zulaufstrecken ändern. Im Übrigen umfasst das transeuropäische Verkehrsprojekt (TEN-V) nicht nur den Gütertransport, sondern auch den Personenverkehr. Daher fordern Politik, Bahn und Wirtschaft eine (für den Gütertransport absolut unnötige) neue Hochgeschwindigkeitstrasse und bezeichnen die Bestandsstrecke als nicht zukunftsfähig, obwohl diese die TEN-V-Kriterien erfüllt: Die Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h ist nur bei Neubaustrecken Vorschrift, nicht beim Ausbau von Bestandsstrecken.
Gottfried Otte
Brannenburg