Zur Berichterstattung über die Seenotrettung (Titelseite und Politikteil):
Medienberichten zufolge sammelt Sea-Watch für medienwirksame Aktionen im Mittelmeer Millionen-Beträge im Form Steuer sparender Spenden. Abgesehen von der Frage, ob es sich bei den „Geretteten“ um tatsächliche Schiffbrüchige handelt, halte ich es für verwerflich, unter der Flagge der Humanität „Rettungsaktionen“ zu beginnen und dann das Problem unter vorsätzlicher Missachtung internationaler und nationaler Gesetze anderen Menschen zwecks Vollendung vor die Füße zu werfen.
Die Mini-Insel Lampedusa ist flächenmäßig kleiner und zählt weniger Einwohner als die Gemeinde Rohrdorf im Landkreis Rosenheim. Wenn der moralische Anspruch von Sea-Watch glaubwürdig sein soll, sollten die eingenommenen Millionen für die Bekämpfung von Fluchtursachen und für die Unterhaltung und Verbesserung afrikanischer Flüchtlingslager eingesetzt werden.
Wolf Kutzbach
Grassau
Jeder Seemann ist verpflichtet, Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Das gebietet das internationale Seerecht und die Mitmenschlichkeit. Dass private, selbst erklärte Helfer im Mittelmeer Migranten aus Seenot retten, ist also zunächst aller Ehren wert. Anerkennung gebührt ihnen dennoch nicht. Denn es ist gut möglich, dass sie durch ihren selbstlosen Einsatz mehr Menschenleben gefährden, als sie selbst mit ihren begrenzten Möglichkeiten retten können. Denn wenn Verzweifelte nur deshalb in die seeuntauglichen Schlauchboote der Schlepper steigen, weil die erhoffte Rettung wartet, dann ist dies eher als verantwortungslos zu bezeichnen. Die Schleuser und ihre viele Millionen Dollar verdienenden Hintermänner haben ihr Geschäftsmodell bereits seit längerer Zeit clever umgestellt. Sie bringen die Migranten nicht mehr selbst ans rettende Ufer, sondern überlassen das kostengünstig und risikovermeidend den Seenotrettern.
Jeder Seemann weiß, dass es besser ist dafür zu sorgen, dass jemand erst gar nicht in Seenot gerät, als ihn aus Seenot zu retten. Wer das Flüchtlingsdrama im Mittelmeer zumindest verringern will, muss Migranten beibringen, dass auf sie im Boot nicht das Paradies wartet. Im günstigsten Fall jahrelanges Warten auf die Aufnahme in der EU oder ein Leben in Illegalität. Im schlimmsten Fall der Tod. Es dürfte weitgehend unbestritten sein, dass Europas Wohlstand zu einem wesentlichen Teil auch zulasten des afrikanischen Kontinents aufgebaut wurde. Wie könnte unsere Erde heute aussehen, wenn die Irrsinnssummen, die alleine in den vergangenen einhundert Jahren weltweit für Waffen und Kriege aufgewendet wurden, in sinnvolle Projekte investiert worden wären, von denen vor allem die Menschen in den ärmeren Regionen profitiert hätten.
Alfred Kastner
Weiden