Mehrere Probleme vermischt

von Redaktion

Zum Kommentar von Georg Anastasiadis „Bischöfe preisen Greta – Neue Propheten“:

Georg Anastasiadis hat eine spitze Feder und führt eine scharfe Klinge in Debatten. Das ist sein gutes Recht. In seinem Kommentar beklagt er sich darüber, dass die Bischöfe von Berlin und Hildesheim die Klimaaktivistin Greta Thunberg als eine Prophetin gewürdigt haben. Anastasiadis folgert: Dadurch würde man die junge Aktivistin zu einer „Wiedergängerin des Propheten“ und „spirituellen Heilsbringerin“ verklären, man mache sie zu einer „kindlichen Klimagöttin“, man würde über „Greta mehr als über Jesus Christus reden“.

Weil die Kirche unter der Last der Missbrauchsdebatte begraben sei, „laufen jetzt sogar Bischöfe einem Kinderstar hinterher“. Europa sei doch der Kontinent der Vernunft, deren Anführer Voltaire – würde er noch leben – sich nur noch wundern könne, wenn im 21. Jahrhundert eine Allianz aus Kirchenführern und eigentlich religionsskeptischen Grünen „einer zur Heilsbringerin mystifizierten 16-Jährigen huldigen“.

Anastasiadis vermischt allerdings mehrere Probleme und Ebenen auf eine äußerst geschickte und dennoch gefährliche Weise.

Auf der einen Seite ist es nicht zu leugnen, dass die Kirche Missbrauchsskandale verursacht hat. Das andere Problem ist die weltweite Klimakrise. Es wäre ehrlicher von Anastasiadis, er würde klar ausdrücken, was er offensichtlich sagen will: Greta und ihre Anhängerinnen sind seiner Meinung nach fehlgeleitet und vertreten falsche Ziele. Wer vor einer Klima-Katastrophe warnt wie Greta, schürt Emotionen, die unsere Zivilisation und vor allem unsere Wirtschaft im Kern treffen werden. Die europäische Aufklärung soll sich wichtigeren Fragen widmen: Wie sich etwa unser Kontinent abschottet gegen Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen. Letzteres steht zwar nicht in diesem Kommentar, dagegen in vielen seiner früheren Äußerungen.

Doktor

Brigitte Enzner-Probst

Doktor Hermann M. Probst

Rimsting

Artikel 10 von 11