Monster-Inszenierung

von Redaktion

Zum Bericht „Mein Freund der Clown“ (Kulturteil):

„Wer die Musik liebt, kann nie ganz unglücklich werden.“ Das sagte einst Franz Schubert. Und recht hat er: Ganz unglücklich musste der Musik-Liebende über die sündhaft teure Klamauk-Inszenierung von Rigoletto bei den Bregenzer Festspielen 2019 nicht werden. Aber es waren allein die gewichtigen Höchstleistungen von Solisten, Chor und Statisten – sowie die Perfektion des Orchesters – die auf der Glücksseite in die Waagschale dieses Abends einschlugen. Dort wurden sie aber auch dringend benötigt, um den unglücklichen Zerrkräften einer effekthascherischen Seebühnen-Monster-Inszenierung entgegenzuwirken.

Deren künstlerisches Credo mochte sich auch den Fantasiereichsten unter den Kennern dieser Oper nur sehr schwer erschließen, während die Talfahrt der künstlerischen Kosten-Nutzen-Bilanz immer offensichtlicher wurde. Wer, wie Rigoletto als buckliger Höfling am Hofe des Herzogs zu Mantua den Hofnarren geben muss, baut sich seine eigene Welt. Und zwar jenseits des Spottens und verspottet werdens. Mittelpunkt und Heiligtum dieses sorgsam abgeschotteten Universums ist seine Tochter Gilda. Wer ihm diese – aus purer Geilheit – raubt und entehrt, kommt auf die heimliche Todesliste des Vaters, auch wenn er Herzog ist.

Auch in der x-ten Wiederholung eine immer wieder ergreifende, letztlich feinsinnige Dramaturgie, die man sicher so oder so inszenieren – aber genauso gut auch durch technokratischen Bühnenwahnsinn erschlagen kann. Vielleicht ließe sich ein kleiner Teil des großen Budgets künftiger Inszenierungen dafür verwenden, jeden der teuren Publikumssitze mit zwei winzigen Daumensymbolen auszustatten: I would like it.

Manfred Ebeling

Raubling

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