Zu den Leserbriefen „Wladimir Putin? Kein lupenreiner Demokrat“ von Reinhard Huber sowie „Kommentar ist völlig korrekt“ von Dr. Klaus Trautwein:
Bei der Kritik der Herren Huber und Dr. Trautwein auf meinen sowie Herrn Bobingers Aufruf zur differenzierten Beurteilung der Krim-Frage ist einiges so sehr verrutscht, dass eine Klarstellung unumgänglich ist. Ich hatte ausgeführt, das Volk und die Volksvertretung der Krim hätten seit dem Zerfall der Sowjetunion vielmals ihren Willen zur Selbstständigkeit sowie ihre Nähe zu Russland dokumentiert. So gewann im Frühjahr 1994 „das Wahlbündnis ‚Block Russland‘ mit großer Mehrheit die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen“, wie die Bundeszentrale für Politische Bildung berichtet. Diese Konstanz untermauert die These, das Volk der Krim habe eine völkerrechtlich legitime Sezession vollzogen.
Dr. Trautwein bezeichnet nun diese jahrzehntelange stabile Meinungslage pro Russland als „Scheinlegitimation“. Er behauptet, Russland habe seit Abschluss des Stationierungsvertrages 1997 „gezielt Russen auf der Krim“ angesiedelt. Schwer vorstellbar bei einer seit Jahrzehnten konstanten Bevölkerungszahl. Auch eine Erhöhung des Anteils von Russen an der Gesamtbevölkerung ist nicht dokumentiert. Selbst wenn Russland in der Lage gewesen wäre, signifikant Russen anzusiedeln, wäre zusätzlich der Nachweis erforderlich, dass sich das Abstimmungsverhalten der Krimbewohner ohne diese Ansiedlungen von stark pro-russisch vor 1997 in stark anti-russisch gewandelt hätte. Es ist auch kaum anzunehmen, dass sich die russisch sprachige Mehrheitsbevölkerung in Scharen einem Land zuwendet, das auch schon mal die eigene Muttersprache verbietet. So liegt eher ein Scheinargument denn der Beweis einer „Scheinlegitimation“ vor.
Das pauschale Gegenargument von Herrn Huber, ich wäre „Putin-Versteher“, weise ich als beleidigend zurück. Solche Stigmatisierungen bringen uns nicht weiter.
Dr. Andreas Strasser
Bruckmühl