Zum Bericht „Schülerinnen auf Überholspur“ (Lokalteil):
In Zeiten als man Krieger- und Veteranenvereine gründete und Denkmale für die gefallenen Soldaten der Weltkriege aufstellte, wurde auch des sogenannten „unbekannten Soldaten“ gedacht. Komischerweise fällt mir das immer ein, wenn jedes Jahr um diese Zeit – wie auch heuer wieder – die Lokalseiten unserer Zeitung voll sind mit Leistungsschauen und Begabtenauszeichnungen an unseren Schulen. Dann mache ich mir Gedanken über den „unbekannten Schüler“. Wahrscheinlich ist es in unserer Leistungsgesellschaft wichtig, dass die erfolgreichen Schüler quasi vom ersten Schultag an in ihrem Streben nach Perfektion unterstützt werden und dass sie im Fall des Erfolges dann auch entsprechend gefeiert werden. Aber sind die Einser-Schüler wirklich die einzigen, die wahre Leistung erbracht haben? Gibt es zwischen ihnen und denen, die das Klassen-/Schulziel nicht erreicht haben, nicht eine große Gruppe von Schülern, die genauso gelobt werden müsste?
Heute, nach erfolgreichem akademischem Studium und einem Leben mit anerkanntermaßen guten beruflichen Leistungen oute ich mich gerne als einer von Letzteren. Bis hin zum Abitur hatte ich 13 Jahre Mühe, den „inneren Schweinehund“ zu überwinden und mit täglichem Bauchweh in der Schule jedes Jahr das Klassenziel zu erreichen. Heute bin ich stolz, das durchgestanden zu haben und den größten Respekt vor all jenen, die das Gleiche oder Ähnliches durchleben müssen.
Vielleicht hat ja eine Gemeinde (oder Zeitung) mal den Mut und findet um diese Zeit der Schulabschlüsse eine Form der Ehrung nicht nur für die Hochbegabten, sondern auch für die vielen „unbekannten Schüler“.
Hermann Karosser
Mühldorf