Zur Berichterstattung über den Wahlausgang in Brandenburg und Sachsen (Politikteil):
„Ab heute wird zurückgeschossen“ – so tönte es vor 80 Jahren aus allen Volksempfängern. Genauso hätte die AfD auch titeln können, wenn, ja wenn das Wörtchen „Wenn“ nicht wäre. Eine Partei, die in sich zerstritten, von Unfähigen gelenkt und von Korruption durchseucht ist, sollte eigentlich die Fünf-Prozent-Hürde nicht überspringen. Wenn aber die etablierten Parteien die AfD in Unfähigkeit und Korruption oft sogar noch übertreffen und sich zudem eine ungeheure Dekadenz und Ignoranz gegenüber armen Familien, Rentnern, Kranken und Arbeitslosen leisten, wählen eben viele Wähler aus Protest. Die Umfragen bei den Wählern und die Wählerwanderungen zeigen dies deutlich. Im Kampf „Allein gegen alle“ hat die AfD in Brandenburg und Sachsen dennoch eindeutig den Kürzeren gezogen. Der Abstand zu den Parteien mit den meisten Stimmen ist in beiden Bundesländern unerwartet deutlich. Der Ball liegt nun wieder im Lager der etablierten Parteien. Wenn sich diese in den nächsten Jahren gut anstellen, dürfte dies das Ende der AfD einläuten. Dass etablierten Parteien horrende Stimmenverluste als Erfolg feiern können ist ein Paradoxon, das in der demokratischen Geschichte Deutschlands einmalig ist. Trotz vieler Unkenrufe und meiner Kritik ist die AfD ein Gewinn für die Demokratie. Der Wähler hat wieder die Wahl – wenn auch meiner Meinung nach nur zwischen Pest und Cholera.
Thomas Lindlmair
Wasserburg