Zum Leserbrief von Simon Kirschner „Verfehlte Schulpolitik“:
Herr Kirschner bezeichnet das Gymnasium als privilegierte Schulart, für die Steuergeld verschwendet würde. Die Bildungspolitik – und er bezieht sich wohl auf Bayern – werde seit Jahren von der mächtigen Gymnasiallobby bestimmt. Als Beweis dafür führt er an, dass der jetzige Lehrerpräsident ein Gymnasiallehrer sei. Dabei meint er den Präsidenten des DLLV, Heinz-Peter Meidinger. Der Aufmerksamkeit Herrn Kirschners ist aber wohl entgangen, dass Schulpolitik in Deutschland Ländersache ist und der Deutsche Lehrerverband sich kaum in erster Linie um Bayern kümmert. Das machen dann eher die bayerischen Lehrerverbände. Vorsitzende des BLLV, des größten bayerischen Lehrerverbandes, aber ist Simone Fleischmann, eine ausgebildete Hauptschullehrerin, die sicher nicht im Ruf steht, das Gymnasium zu bevorzugen.
Herr Kirschner behauptet auch, dass Gymnasiallehrer mit weniger Pflichtstunden bei gleicher Studienzeit viel besser bezahlt würden als Grund- und Mittelschullehrer. Bei Gymnasiallehrern unterscheidet man allerdings zwischen wissenschaftlichen und nicht wissenschaftlichen Fächern (Sport, Musik, Kunst). Die Unterrichtsverpflichtung bei Lehrern nichtwissenschaftlicher Fächer ist in Bayern genauso hoch wie in der Mittelschule und eine Stunde weniger als in der Grundschule. Dass die Studienzeiten gleich sind, ist eine glatte Lüge. Gymnasiallehrer haben eine um ein Jahr längere Regelstudienzeit, was unter anderem den höheren Verdienst rechtfertigt.
Wenn Herr Kirschner schon gegen das Gymnasium hetzt, sollte er bei der Wahrheit bleiben und nicht die Methoden eines Donald Trump oder Boris Johnson anwenden: Verschweigen unliebsamer Wahrheiten und Verdrehen von Fakten.
Bernward Schmidt
Prutting