Zu den Kommentaren von Claudia Möllers „Nur nicht einschüchtern lassen“ und „Jetzt ist Mut gefordert“:
Dass sich Papst Franziskus nicht einschüchtern lässt, ist bekannt. Eingeschüchtert waren bis vor Kurzem eher diejenigen, die ihn jetzt angeblich stürzen wollen. Die päpstliche Personalpolitik sorgte für Respekt, gelinde gesagt. Man hat also dazugelernt und geht inzwischen vorsorglich in Deckung. Dass die „Erzkonservativen“ in allen Farben ein Schisma heraufbeschwören würden, ist also maßlos übertrieben. Ein Schisma zu provozieren, ist für die Konservativen schon aus Gewissensgründen keine Option. Die Kardinäle Burke und Brandmüller verweisen allerdings auf die Gefahr eines inneren Schismas.
Und Franziskus „von hinten einen Dolch hineinzustoßen“ wäre auch deshalb sinnlos, weil die Agenda bis auf Weiteres festgezurrt ist: Man beachte etwa die jüngsten Ernennungen von Kardinälen/Papstwählern. Die Agenda: Zuerst die Gesellschaft gegenüber der Botschaft studieren, ehe man zur Botschaft für die Gesellschaft kommt.
Dass dabei der erste Teil der Agenda den zweiten oft genug erstickt, ist die eine Tatsache. Die andere ist, dass sich die Laien – als Experten in Sachen Gesellschaft – dann auch als Experten für die Botschaft verstehen. Wenn der „synodale Weg“ jetzt eine Demokratisierung der Glaubensverkündigung vorsieht, liegt das nur konsequent auf dieser Linie. Wer freilich denkt, das wäre ganz im Sinne des Papstes, und das Veto aus Rom käme von seinen Gegnern, blendet etwas aus.
Im Juni hat Franziskus in zarten Worten das Gleiche gesagt, was jetzt als trockener Rüffel von der Kurie nachgereicht wurde.
Hans Stahuber
Bad Aibling