Der Bürger ist mehrfach gekniffen

von Redaktion

Zum Thema EZB-Strafzinsen und neue Anlagekäufe (Politikteil):

Die Zusammenhänge werden klarer. Wie schon von Paul Krugman erkannt, ist die Austeritätspolitik (vor allem der deutschen Regierung) mit dafür verantwortlich, dass die EZB mit ihren geldpolitischen Maßnahmen ans Äußerste geht.

Obwohl fraglich ist, warum eine entwickelte Gesellschaft, wie die der westlichen Welt, immer noch so stark auf Wachstum statt Stabilität setzt, versucht die EZB, das fehlende politische Handeln durch geldpolitisches Agieren zu kompensieren. Der deutsche Finanzminister spart so jedes Jahr zig Milliarden an Schuld-Zinsen ein, die Bürgern und Institutionen in Form von Guthabenzinsen abgehen. Der deutsche Staat verwendet das so Ersparte nicht für Investitionen, weil ihm an der schwarzen Null mehr liegt.

Der um seine Zukunftssicherung besorgte Bürger spart von seinem Einkommen noch mehr, um die fehlenden Zinsen auszugleichen. Wer besorgt ist, hält sein Geld zusammen und nimmt trotz niedriger Kreditzinsen auch kaum Kredite auf. Dadurch wird der Rahmen der privaten Investitionen nicht ausgeschöpft. Wo soll denn auch im Sinne von Wachstum investiert werden? Die Absatzmärkte legen gerade eine Pause ein, der Immobilienmarkt läuft sich heiß, und die bisher so geliebten Autos durchleben schon länger eine Orientierungskrise.

Vielleicht helfen der EZB zum Erreichen des Inflationszieles steigende Importpreise, welche durch die weltweit ausufernden Zölle in Verbindung mit dem gesteuerten Verfall der Währungen denkbar sind. Dazu kommen die steigenden Mietpreise und die umweltbezogen höheren Preise für Energie. Der Bürger ist also mehrfach gekniffen. Sein Geld wirft noch länger keine Zinsen ab, während die Preise bereits marschieren.

Norbert Vogel

Schechen

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