Zum Kommentar von Sebastian Hölzle „Die Finanzwelt steht Kopf“:
Sehr geehrter Herr Hölzle, Ihrem Kommentar kann man weitestgehend zustimmen. Mit dem letzten Satz liegen Sie jedoch daneben. Sie stellen das Anlegen an der Börse gleich einem Verzocken.
Natürlich kann man an der Börse zocken, das geht auch am Immobilienmarkt, in Rohstoffen oder gar am Spieltisch oder -automaten. Grundsätzlich ist das Investieren an der Börse jedoch ein Anlegen in Produktivkapital. Das heißt: Sie haben die Möglichkeit, sich an den besten Unternehmen der Welt und deren Erfolgen oder Misserfolgen zu beteiligen. Mit einer Investition in gute Aktien oder Fonds werden Sie längerfristig immer eine höhere Rendite erzielen als mit Anleihen, Festgeld etc. – das ist unbestritten. Im Grunde genommen ist jedoch das Thema Wirtschaft und Börse an den Schulen unterrepräsentiert.
In Zeiten von Schuldenorgien, Protektionismus, Gewinnwarnungen und Kriegsängsten wird Christine Lagarde (Nachfolgerin des Notenbankpräsidenten Draghi) die Zinsen für lange Zeit tief oder negativ belassen. In einer Fondsboutique geht man davon aus, dass die Zinsen bis zur nächsten Währungsreform tief oder negativ bleiben – in Japan mittlerweile seit mehr als einem Jahrzehnt. Letztendlich dürfen die Zinsen nicht mehr steigen, da sonst das Schuldenkartenhaus umkippt!
Das heißt: In früheren Zeiten hat man mit Zinsanlagen (Termingeld, Anleihen) Geld über der Inflationsrate verdienen können. Seit nunmehr rund drei Jahren verliert man Geld, da diese Anlagen zinslos sind oder sogar einen Negativzins abbilden. Zieht man die Inflationsrate noch ab, verliert man Jahr für Jahr Kaufkraft beziehungsweise ist das Geld mit einem negativen Realzins ausgestattet. Leider haben die Deutschen dies noch nicht begriffen und parken riesige Summen auf zinslosem Fest- und Termingeld und sind unterrepräsentiert am Aktienmarkt.
Hans Peter Maier
Großkarolinenfeld