Zu Berichten über die Corona-Pandemie und ihre Folgen (überregionaler Teil):
Unsere Gesellschaft, unser Handeln, unser Wirtschaftssystem: Nach der Überwindung (hoffentlich) der Corona-Krise wird nichts mehr so sein, wie es bisher war. Jetzt ist es Zeit, über eine grundlegende Änderung des Steuersystems nachzudenken. Wenn nicht jetzt, wann dann? Meine Vorschläge: Die Mehrwertsteuer auf Arbeit abschaffen, denn Leistung muss sich wieder lohnen. Vermögens- und Kapitalerträge besteuern (25 bis 30 Prozent). Einen Solidaritätsbeitrag von einem Prozent auf Vermögenssteuer, Kapitalertragssteuer, Erbschaftssteuer und Einkommenssteuer erheben, um auf Katastrophenfälle vorbereitet zu sein. Das nächste Hochwasser kommt bestimmt. Die Frage ist nur, wann. Und genau dafür sollten wir gerüstet sein.
Wichtig wäre auch die Sicherung der Katastrophenschutzmaßnahmen und -ausrüstung sowie die Aufrechterhaltung der lebensnotwendigen Daseinsvorsorge: Trinkwasser und Lebensmittel, medizinische Versorgung und Pflege, Kleidung, Wohnen oder zumindest Unterkunft, Zugang zu Informationen – auch ohne digitale Medien – und die Aufhebung von Renten unter 3000 Euro. Wir brauchen mehr Solidarität und weniger Egoismus! Tipp: Es gibt noch genügend Klopapier für alle. Dazu fällt mir ein: „Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller – aber zu klein für die Gier Einzelner.“ (Mahatma Gandhi).
Fritz G. Schott
Rosenheim
Dirk Ippen liefert eine gute etymologische Erklärung der Begriffe der neuen Corona-Sprache. Was aber steckt hinter diesem neuen Sprachspiel? Wie erleben wir Corona, dass wir eine neue Sprache benützen müssen? Wie ist Corona philosophisch zu beurteilen? Immanuel Kant schreibt in seiner „Kritik der Urteilskraft“ von 1790, dass die Macht des Dynamischen in der Natur darin liegt, dass sich der Mensch zunächst hilflos den Naturgewalten ausgeliefert fühlt, dann aber Abstand von seiner Angst nehmen und in gedanklicher Freiheit die Dynamik der Natur beschreiben kann. Er ist aufgrund seiner Denkfreiheit in der Lage, noch im Untergang die Größe der Naturgewalten zu erfassen. In diesem Sinn ist er erhaben über die Dynamik der Natur.
Covid-19 ist so ein Naturphänomen, welches uns Angst einjagt. Wir könnten als Menschheit zermalmt werden. Die Natur erscheint hier nicht als hübsch oder freundlich, sondern ist Ausdruck des Dunklen, Gefährlichen, Unbesiegbaren. Corona-Mediziner haben sich jüngst mit Naturforschern verglichen, die am Rande eines Vulkans stehen, der brodelt und zischt und jederzeit ausbrechen kann. Genau dieses Bild hat Kant vor 230 Jahren schon gebraucht, um die Bedrohung der Menschen durch die Natur zu verdeutlichen. Er schreibt: „… am Himmel sich auftürmende Donnerwolken, mit Blitzen und Krachen einherziehend, Vulkane in ihrer ganzen zerstörenden Gewalt machen unser Vermögen zu widerstehen … zur unbedeutenden Kleinigkeit. Aber ihr Anblick wird nur umso anziehender, je furchtbarer er ist.“ Vielleicht starren wir deshalb täglich auf die Infektions- und Todeszahlen, weil uns die Größe der Natur zutiefst verunsichert, aber auch fasziniert. Wir fürchten uns, aber wir staunen auch über diesen winzigen Virus, der den ganzen Globus innerhalb weniger Wochen erzittern lässt.
Dr. Ralph P. Crimmann
Prien
Dem Leserbrief von Herrn Böhm würde ich gerne hinzufügen, dass man Sportveranstaltungen ab 1. Mai auch mit Zuschauern zulassen könnte. Voraussetzung wäre, dass man die Stadien nur mit maximal 50 Prozent der möglichen Zuschauerkapazität belegt. Die Anfahrten dürfen nur mit Pkw und am besten nur mit zwei Fahrgästen stattfinden. Außerdem sollten die Besucher schon zu Hause ihre Hände desinfiziert haben und Nasen- und Mundschutz tragen.
Zum Leserbrief von Herrn Hierlwimmer ist zu sagen, dass man im Nachhinein immer leichter urteilen kann. Man nehme nur die Studien der heute auftretenden Virologen. Aus drei Studien kann man mindestens fünf Vorschläge entnehmen, und zum Teil auch noch solche, welche nicht auf Tatsachen, sondern auf Vermutungen beruhen. Die seit 2013 ausgegebene Billion ist leider nicht zurückzuholen. Ab jetzt könnte man die Ausgaben für die Bundeswehr aber nur so hoch halten, dass alle notwendigen Reparaturen zu bezahlen sind. Ausgaben für neue Waffen sind rausgeschmissenes Geld.
Ob Deutschland 200 neue Kampfflugzeuge und 17 neue Schiffe erhält, ist im Vergleich zu der Feuerkraft der Großmächte völlig belanglos. Ich kenne natürlich den tatsächlichen Bedarf der Bundeswehr nicht, gehe aber davon aus, dass viele Millionen Euro für das vernachlässigte Gesundheitswesen übrig bleiben könnten. Das Heulen und Wehklagen von Herrn Trump und der Waffenhersteller sollte man einfach überhören.
Werner Simon
Rimsting
Es hieße Eulen nach Athen zu tragen, wollte man all die vielen Unbilden, Sorgen, Probleme und Kümmernisse, die das Auftreten des Corona-Virus mit sich bringt, immer wieder zur Sprache bringen. Trotz allem, es gibt einiges, das angesprochen werden muss. Als die Condor-Maschine mit 300 Passagieren an Bord am 27. März von Teneriffa kommend in Frankfurt eintraf, hemmte die Menschen auf dem Weg zur Gepäckausgabe plötzlich das Schild „Passkontrolle“ mit der Aufforderung des Vorzeigens des Ausweises sowie der anschließenden Gesichtskontrolle. Und plötzlich die Erkenntnis: Na klar, Schengen ist ausgesetzt, wir reisen von Spanien nach Deutschland, jeder Nationalstaat kontrolliert wieder seine eigene Grenze. Jeder Nationalstaat? Das darf im Falle Deutschlands bezweifelt werden, denn nach wie vor kommen Flüchtlinge illegal an unseren Grenzen an. Medienangaben zufolge gab es eine Auseinandersetzung zwischen Merkel und Seehofer, der einen hundertprozentigen Einreisestopp durchsetzen wollte. Denn die Recherche der beiden Journalisten, die für diese Medien arbeiten, hatte ergeben, dass es derzeit circa 1500 Personen sind, die trotz Corona monatlich und ohne Gesundheitsprüfung in das Land gelassen werden.
Wer protegiert diese Menschen und ihre Helfershelfer auf ihrem Weg von A nach B zu dem von ihnen gewünschten Aufenthaltsort? Und trägt somit dazu dabei, dass diese von den strengen Sanktionen, denen sich der gewöhnliche Deutsche ausgesetzt fühlt, nicht betroffen sind. Was soll also das Gerede der Kanzlerin vom „Gesundheitsschutz, der im Vordergrund stehe“ und dass es noch zu früh sei, über eine Lockerung der Maßnahmen nachzudenken, wenn sie durch ihr eigenes Verhalten den von vielen erhofften Zeitpunkt immer weiter hinauszögert.
Karin Stöttner-Lüdtke
Bad Aibling
Die Corona-Krise darf nicht dazu führen, dass wir das Lachen ganz verlernen. Darum folgende Geschichte: Ein junger Mann sitzt im Schneidersitz mit der Bibel auf dem Schoß auf dem Bürgersteig und jubelt: „Gott ist groß, Gott ist mächtig, Gott ist wunderbar.“ Kommt ein kluger Theologe vorbei und fragt ihn, warum er sich denn so freut. „Gott ist groß, Gott ist wunderbar, Gott ist mächtig. Hat er doch die Israeliten trockenen Fußes durch das Rote Meer geführt.“ Darauf erklärt ihm der Theologe, dass man diese Aussage nicht so wörtlich nehmen darf, da es am Roten Meer immer Zeiten gab, wo das Wasser nur knietief war und somit der Durchzug kein allzu großes Problem darstellte. „Aha!“ Der Theologe geht weiter und freut sich, dass er mit seinem Fachwissen wieder einmal einem so naiv Glaubenden eines Besseren belehrt hat. Doch er kommt nicht weit, da hört er wieder den Jubel: „Gott ist groß, Gott ist wunderbar, Gott ist mächtig !“ Er kehrt zu dem jungen Mann zurück und meint etwas entrüstet, dass er ihm doch gerade erklärt habe, wie der Durchzug durch das Rote Meer zu verstehen sei. Doch dieser jubelt noch lauter: „Gott ist groß, Gott ist wunderbar, Gott ist mächtig! Hat er doch die Soldaten des Pharao im knietiefen Wasser ersaufen lassen!“ Möge diese kleine Geschichte in Zukunft ein Schmunzeln hervorrufen.
Hildegard Sochatzy
Kirchdorf
Mitten in die unheimliche individuelle „Fixierung“ durch die Corona-Krise erreichen uns weitere Hiobsbotschaften, die wir eigentlich längst kennen müssten! Schwere Schäden – heute schon – an den Augen der Kinder und Jugendlichen durch die intensive Handy- und Internetnutzung! Und das ist nur ein Aspekt neben den vielen weiteren nervlichen und psychischen Belastungen unseres neuen Lebensstils. Aber: Es gibt natürlich schon eine Lösung: hoch entwickelte, implantierbare Kontaktlinsen! Die Schulmedizin und die Pharmaindustrie lassen grüßen!
Wie nachdenklich sollte uns das alles längst stimmen? Menschen mit noch einigermaßen gesundem Menschenverstand, die längst vor diesen Entwicklungen warnen, werden als rückständig belächelt! Ein weiteres Beispiel ist 5G, das uns jetzt sehr schnell aufgezwungen wird. Auch hier äußern sich ernst zu nehmende Wissenschaftler aus aller Welt sehr besorgt, was damit gesundheitlich noch alles auf uns zukommt! Werden wir nicht alle, durch die Krise nicht auch noch heftig, manipuliert und suggeriert man uns in der Angststarre nicht viele problematische „Wahrheiten“? Kritisches Hinterfragen ist angesagt. Jede äußere Erscheinung hat immer eine innere Ursache! Es wär sinnvoll, einmal die innere Schwächung und Unordnung unserer überwuchernden Konsumhaltung ernsthaft zu hinterfragen und zur Besinnung auf wieder ethische und moralische Werte gegenüber unseren Mitmenschen, der Natur, der Schöpfung und unserem Schöpfer zu kommen! Jede Krise hat auch eine Chance des Lernens und Aufbauens neuer und besserer Ideale: Dieser Verantwortung kann sich jetzt jeder Einzelne stellen, sonst kommen die noch größeren Krisen nach dieser Krise!
Marianne Roider
Rohrdorf
Die stade Zeit ist da. Urbi et orbi, diesen Segen erteilt der Papst gewöhnlich nur an drei Ereignissen im kirchlichen Leben. Zu Weihnachten, zu Ostern und wenn ein neuer Papst gewählt wurde. Außer in diesem Jahr, dieses Jahr hat der Papst um Gottes Segen gebeten anlässlich der Corona-Krise. Dieses Ereignis ist so einzigartig in der fast zweitausend Jahre alten Geschichte der katholischen Kirche, dass der Papst diesen Segen erstmals mit der Monstranz versah. Der symbolischen Gabe von Brot und Wein.
Auch im gesellschaftlichen Bereich und Leben ist dieses Ereignis einzigartig in unserer Zeit. Soziale und kulturelle Werte, welche in der weihnachtlichen Zeit für uns eine Bedeutung haben, werden jetzt umgesetzt und gelebt. Ein „Bleib gesund!“ als Gruß ist aufrichtig gemeint und keine Floskel mehr. Die Familien rücken zusammen. Die Enkelkinder sorgen sich um die Großeltern, sie rufen an und schreiben Briefe. Das Leben ist entschleunigt, man macht sich Gedanken um sich und seine Liebsten und nimmt sich Zeit für sie. Die politischen Parteien und Länder stehen zueinander und reden miteinander. Der äußere Feind schafft den inneren Frieden. Die stade Zeit ist da. In diesem Sinne passt der päpstliche Segen „Urbi et orbi“ doch zu dieser nachweihnachtlichen, aber hoffentlich kurzen Zeit in unserem Leben.
Hubert Kirmaier
Edling
Ich bekomme einen dicken Hals, wenn ich jetzt schon wieder die Kritiken in der Zeitung lese! Wir sollten der bayerischen Staatsregierung, vor allem Ministerpräsident Markus Söder, dankbar sein für ihr mutiges und schnelles Handeln. Und für den Zusammenhalt der Parteien, trotzdem man ja bundesweit von einigen nichts hört. Auf das Aufwiegeln der Bevölkerung können wir gerne verzichten. Also Kritiker: Kopf einschalten und Gehirn arbeiten lassen. Oder vielleicht selber helfen.
Margit Simon
Bad Endorf
Gottesdienste können ab Mai wieder stattfinden? Sind unsere Politiker vor dem Einfluss der Kirchen eingeknickt? Gottesdienste sind Veranstaltungen. Die Menschen sitzen Schulter an Schulter, singen und beten. Das Coronavirus kann sich wunderbar ausbreiten. Würden die Geistlichen in unseren Gemeinden diese gefährliche Möglichkeit „im Namen Gottes“ zulassen? Wenn Gottesdienste erlaubt werden, können auch Geschäfte und Restaurants öffnen und Konzerte stattfinden.
Tina Freier
Kolbermoor
Die Todesstrafe ist in der Bundesrepublik durch Artikel 102 des Grundgesetzes endgültig abgeschafft. Die Würde des Menschen und aus religiöser Sicht das absolute Tötungsverbot haben in allen zivilisierten Staaten zu gleichlautenden Regelungen geführt. Ja sogar in den USA ist in zahlreichen Bundesstaaten der Vollzug der Todesstrafe ausgesetzt. Die Kompetenz, über Leben und Tod zu entscheiden, hat sich nun aber von der Justiz zur Medizin verlagert. Der Mangel an Beatmungsgeräten zwingt Klinikärzte in Zeiten der Corona-Pandemie zur fatalen Entscheidung, wer in die rettende Intensivstation darf oder wer, unterstützt von Opiaten, den Weg ins Jenseits antreten wird. Alter, Vorerkrankungen, Gesamtzustand sind die Kriterien, die die Richtung weisen. Was vor einigen Wochen noch unvorstellbar erschien, wird heute Ärzten, vor allem in Italien und Frankreich, abverlangt.
Strafanzeigen von Hinterbliebenen könnten allerdings Gerichte bald zwingen, über Fragen einer unterlassenen Hilfeleistung oder der Tötung durch Unterlassen zu entscheiden. Auch Klagen auf Schadensersatz gegen den Betreiber der Klinik sind durchaus denkbar. Das Coronavirus könnte also bald neben den Medizinern auch die Richter herausfordern.
Alois Kröninger
Westerham