Zum Bericht „Ein schleichender Prozess“ (Lokalteil):
Es war sehr interessant zu lesen, wie es Rudolf Starzengruber in den letzten 23 Jahren, die sein Leben mit der Depression geprägt haben, ergangen ist. Auch ich habe seit über 20 Jahre Erfahrungen im Umgang mit der eigenen schweren Depression gemacht und zusätzlich in den letzten Jahren als Angehöriger eine besondere Sichtweise erfahren, wenn eine nahe stehende Person an Depressionen leidet. Die Kontakte mit Selbsthilfegruppen, Psychologen und der Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik haben mich wieder auf den Weg zu einer stabilen Lebensführung gebracht.
Wie Herr Starzengruber leite auch ich jetzt seit ein paar Jahren eine Selbsthilfegruppe, die sowohl psychisch kranke Menschen als auch deren Angehörige den Raum für einen gemeinsamen Gedankenaustausch anbietet. Und auch im BASTA-Projekt bin ich an neun Schulen im Landkreis Mühldorf aktiv. Im Gegensatz zu Herrn Starzengruber ist mir das Gespräch mit Betroffenen und Angehörigen sehr wichtig. Deshalb hatte ich im ersten Lockdown viele persönliche Kontakte sowohl per Telefon als auch mit Spaziergängern, um die Menschen mit ihren Problemen nicht alleine zu lassen.
Seit Juni 2020 trifft sich die Selbsthilfegruppe Angehörige psychisch Kranker, die ich im Landkreis Mühldorf leite, wieder regelmäßig alle 14 Tage, wobei die Teilnahme in der Pandemie-Zeit gestiegen ist. Der erste Schritt zur Kontaktaufnahme mit Gleichgesinnten ist der schwerste. Mit Herrn Starzengruber stimme ich auch überein, dass es viele Wege und Möglichkeiten gibt, um einer schleichenden Verschlechterung des eigenen Lebens entgegenzuwirken. Alleine ist es schwer, Probleme zu meistern. Gemeinsam ist es leichter, aus einer Krise zu kommen.
Axel Sauerwald
Mühldorf