Zur Kolumne „Maßgeschneidert“ von Herbert Schneider (Bayernteil):
Herbert Schneider hat in seiner Kolumne zum wiederholten Male auf die Schönheiten, aber auch Eigenheiten der bairischen Sprache aufmerksam gemacht, als er unlängst anmerkte, im altbairischen Dialekt gebe es den Umlaut „ü“ nicht. Dieser werde zumeist durch den Zwielaut „ia“ oder einfach nur durch ein „i“ ersetzt.
Daher rate er – mehr oder weniger – Sprechern des Bairischen davon ab, den Abschiedsgruß „Tschüss“ oder „Tschüß“ zu verwenden, denn das könne zu wenig erfreulichen Verwechslungen führen! So weit, so gut! Aber so ganz stimmt seine These nicht: In der Gegend unmittelbar vor der Bergkette zwischen den Inntaler Bergen und dem Breitenstein wird das „Ü“ tatsächlich gesprochen, und zwar vor einem „r“-Laut! Es ist aber nicht gerundet, wie im Französischen oder im Standarddeutschen, sondern ungerundet und klingt etwa wie ein „iu“: „Heid roasma ned a d Kiuch (Kirche)“ – Coronabedingt, natürlich – „blian (blühen) d Biunbaam (Birnbäume) aa schoo?“
Diese kleine Korrektur von Herbert Schneiders Dictum: „Kein ü im Bairischen“ soll aber keineswegs dazu führen, dass die Inntaler und Mangfalltaler nun ganz begeistert „Tschüss – Tschiuss“ – sagen sollten. Aber Servus!
Davon unbenommen: Möge Herbert Schneider noch sehr lange für die bairische Sprache wirken! Wir brauchen ihn mehr denn je!
Armin Höfer
München