Zum Leserbrief von Nikolaus Vogl zu den Meinungsbeiträgen auf der Leserbriefseite:
Leserbriefschreiber Nikolaus Vogl wirft die Frage auf, ob das OVB wirklich „so tief gesunken“ sei, dass er über seine Leserbriefseiten ein „Forum für Randmeinungen, Unwahrheiten und Lügen aller Art“ bieten müsse. In klare Sprache übersetzt heißt das, Herr Vogl fordert das OVB zur Zensur auf. Das ist sehr verwunderlich, ist es doch noch gar nicht so lange her, dass wir uns das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Abschaffung der Zensur erkämpft haben. Freie Meinungsäußerung war den Mächtigen schon immer ein Dorn im Auge und wurde von ihnen immer unterdrückt. Das Mittel dazu: Zensur.
Eine probate Methode dazu war das Erfinden abschreckender Gruppenkennzeichnungen, mit denen man unliebsame Zeitgenossen stigmatisieren und damit aus dem öffentlichen Diskurs ausschließen konnte. Herr Vogl führt eine ganze Reihe solcher Gruppen auf, die er aus dem Leserbrief-Diskurs verbannt wissen möchte, zum Beispiel die von ihm sogenannten „Leugner.“ Im Mittelalter hießen solche Leute „Ketzer“ und wurden ebenfalls aus dem Diskurs verbannt, auch wenn ihre Meinung solide und plausibel war. Man denke nur an Galileo Galilei. Für Herrn Vogls „Egoisten“ hatte man in Stalins Reich die Stigmata „Volksfeinde“ und „Revanchisten“ parat, und für Herrn Vogls „Wissenschaftsfeinde“ finden sich sicherlich auch geschichtliche Parallelen. Statt uns gegenseitig auszugrenzen, sollten wir erkennen, dass es ohne das Recht und die Möglichkeit, seine Meinung frei und unzensiert zu äußern, keine Freiheit und keine Demokratie geben kann. Kämpfen wir also gemeinsam um den Erhalt der Meinungsfreiheit, auch in den Leserbriefspalten des OVB!
Dr. Andreas Strasser
Bruckmühl