Zur Berichterstattung über das Thema Klimaschutz im Wahlkampf (Politikteil):
Die Parteien überbieten sich gerade an Ideen, Absichten und Plänen zum Klimaschutz. Seit 1990 sanken die Emissionen in Europa um rund 25 Prozent bei gleichzeitig immens gestiegener Wirtschaftsleistung. Welch eine Leistung! Bis 2050 soll die Klimaneutralität erreicht sein. Klima als globales Geschehen nimmt keine Rücksicht auf Nationen, Gerechtigkeit, relativierte Zahlen und Pro-Kopf-Verbrauche. Es zählen einzig absolute Zahlen. Und es dauert sehr lange, bis Maßnahmen spürbare Wirkungen zeigen.
Auch wenn unser Einfluss gering erscheint, ist es richtig, jetzt alles tun, was möglich ist. Verschwiegen wird aber, dass es wehtun wird, sehr sogar. Es wird jeden Einzelnen betreffen. Und wir werden dafür schwer bezahlen müssen. Regierungen werden Änderungen unseres Lebensstils einfordern. So, wie die Regierung in der gegenwärtigen Pandemie ungewohnte Dinge von uns allen einforderte. Nur, dass das bei der Klimapolitik für einen sehr langen Zeitraum sein wird. Wir müssen Abschied nehmen von Gewohnheiten, Annehmlichkeiten, die wir als selbstverständlich betrachten. Wir werden uns oft die Frage stellen müssen: „Braucht’s das?“ Und all das, ohne dass wir über Jahrzehnte einen spürbaren Effekt erkennen werden.
Da bin ich mal gespannt, wie das viel zitierte „die Bürger mitnehmen“ unter diesen Voraussetzungen klappen wird. Trotzdem damit anfangen? Ja, unbedingt. Aber bitte den Bürgern die ungeschönte Wahrheit sagen. Und nicht beim ersten Windhauch erzittern, aus Angst, Wählerstimmen zu gefährden. Robert Habeck beeilte sich auffällig, die Diskussion um Kurzstreckenflüge zu relativieren. Er meinte, dass Klimaschutz unseren Lebensstil nicht beeinflussen dürfe. Doch Herr Habeck, genau das muss er, sonst geht es nicht!
Nikolaus Oppenrieder
Rosenheim