Der Atomausstieg kommt zu früh

von Redaktion

Zu „Habecks Gas-Wende“ (Kommentar von Georg Anastasiadis, Politikteil):

Herr Anastasiadis legt den Finger in eine Wunde, die bald schmerzhafter werden dürfte: der kopflos, weil emotional beschlossene Atomausstieg. Zuvorderst: Ich bin lange ein Gegner von Kernkraftwerken (KKW) gewesen.

Heute ist meine Meinung eine andere, denn viel dringender ist der Ausstieg aus dem Betrieb von Kohlekraftwerken, und zwar nicht nur in Deutschland, da sie Unmengen des für den Treibhauseffekt verantwortlichen Kohlendioxids erzeugen und damit den Klimawandel antreiben. Einwände gegen KKW sind vor allem die Gefahr eines GAUs mit tragischen Folgen in dicht besiedeltem Gebiet und die ungelöste Lagerung hochradioaktiven Abfalls. Hierzu erstens: Bei fortschreitendem Klimawandel könnten dessen Folgen bald schwerwiegender sein als die Folgen eines schweren Unfalls in einem KKW. Zweitens: Im Jahr 2010 betrug die weltweite Menge an hochaktivem Abfall bereits 300000 Tonnen. Auch wenn es zynisch klingt; ob für die Lagerung von 300000 oder von 500000 Tonnen eine Lösung erst noch gefunden werden muss, spielt keine große Rolle. Jährlich steigt allein für den Gebrauch elektronischer Geräte der Energieverbrauch um circa neun Prozent. Der Mehrverbrauch an elektrischer Energie für die geplant wachsende Elektro-Mobilität wird auf 15 Prozent geschätzt, was untertrieben sein dürfte. Da bei aus Klimagründen dringend gebotener Abschaltung der Kohlekraftwerke die Energie aus Solar- und Windkraftanlagen sowie aus Biomasse nicht ausreicht, Erstere nicht konstant zur Verfügung stehen und Gaskraftwerke weder aus Klimasicht noch unter aktuellem politischem Aspekt sinnvoll sind, muss – so bitter es für grüne Politiker sein mag – ein befristeter Weiterbetrieb der verbleibenden deutschen KKW beschlossen werden.

Dr. Klaus Carsten

Bernau

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