Zur Berichterstattung über Wladimir Putin, den Ukraine-Krieg und die Versorgungslage mit russischem Erdgas (Leserbriefseiten, Politikteil):
Alfred Kronthaler schreibt im OVB-Leserbrief vom 26./27.02.2022: „Russland war immer ein verlässlicher Vertragspartner“. Bisher ja –für seine Öl- und Gaslieferungen an Deutschland, weil Russland die Einnahmen benötigte. An völkerrechtliche Verträge hält Russland sich dagegen nicht: Putin und Lawrow haben zuletzt mehrfach zugesichert, nicht in die Ukraine einzumarschieren. Und die Krim gab Russland vertraglich an die Ukraine als Gegenleistung dafür, dass die Ukraine ihre Atomwaffen an Russland gab. Für Herrn Kronthaler ist grundsätzlich der „Amerikaner“ schuld, wohl auch, als 1953 russische Panzer die DDR überfielen, 1956 Ungarn, 1967 die Tschechoslowakei, 1994 Tschetschenien, 2008 Georgien, 2014 die Krim und den Donbas und nun die gesamte Ukraine. Herr Kronthaler hat hier allerdings recht, wenn er schreibt: „Die Wahrheit stirbt zuerst“. Ich weiß nicht, welche Medien (außer OVB) seine Meinung bilden. Vielleicht der Sender „RT“ („Russia Today“) oder die „Prawda“ („Wahrheit“), da er sich ja mit der Wahrheit so gut auskennt. Da er kaum die „Frankfurter Allgemeine“ lesen dürfte oder 1958 vielleicht noch ein Kind war: Damals kam in der FAZ eine Karikatur, in welcher der damalige sowjetische Ministerpräsident Chruschtschow zum ungarischen Ministerpräsidenten Imre Nagy sagt: „Genügt es nicht, dass ich es Dir verspreche, soll ich es auch noch halten?“ Nagy war während der sowjetischen Invasion in die jugoslawische Botschaft geflüchtet. Sein Nachfolger Kádár garantierte ihm Straffreiheit. Beim Verlassen der Botschaft wurde er vom sowjetischen KGB verhaftet, zum Tode verurteilt und hingerichtet. Wird Selensky dasselbe Schicksal erleiden, da Russland vorhat, die Todesstrafe wieder einzuführen?
Hans Kürner
Rosenheim
In meiner Kindheit gab es einen Spruch, wenn jemand ein Schimpfwort gebrauchte, der hieß: „Was du sagst, das bist du selbst!“ Diese Redewendung fiel mir ein, als ich einen entfesselten Putin über den Präsidenten der Ukraine in unflätiger Weise sprechen hörte. Der Überfall hat endlich unsere Politiker aufgeweckt und sie charakterisieren Putin als das, was er ist: ein gewissenloser, skrupelloser Unmensch. Leider muss die Bundesrepublik hohe Schulden machen, um die Bundeswehr mit dem notwendigen Material auszustatten. Aber da gibt es einen Vorschlag, wie viel Geld eingespart werden könnte. Für den Brennerzulauf mit einem dritten und vierten Gleis sind zehn Milliarden Euro veranschlagt; am Ende werden es wohl zwanzig Milliarden werden. Dieses Geld könnte man einsparen, denn alle Zahlen weisen darauf hin, dass die bestehenden Gleise ausreichen.
Josef Grundner
Stephanskirchen
Mit großer Sorge betrachte ich die (recht späte) Waffenlieferung an die eingekesselte Ukraine. Es kann doch nicht sein, dass die deutsche Regierung es zulässt, dass diese Waffen jetzt dem russischen Militär „in die Hände fallen“. Der Transportweg aus Deutschland ist weit, und vielleicht gelingt es noch, diese Waffenlieferung rechtzeitig zu stoppen? Die jetzige Situation, in der der „freie Westen“ zusehen muss, wie ein brutaler Diktator alle Menschenrechte mit Füßen tritt, ist nur schwer zu ertragen.
Alice Otto
Prien
In der Ukraine sieht man mal wieder, was manche Menschen wie Putin und Co. wirklich wollen, ist nur Macht und Reichtum. Da spielen Klimawandel und Umweltzerstörung keine Rolle. Es wird alles daran gesetzt, den eigenen Macht- und Einflussbereich zu vergrößern. Das ist leider nicht nur in der Politik so, sondern auch in der Wirtschaft – Wachstum um jeden Preis.
Andreas Staudacher
Riedering
Man muss kein sogenannter Putin-Versteher sein, um sich herleiten zu können, wie die momentane, fatale Lage entstehen konnte: Als Gorbatschow Deutschland die Wiedervereinigung schenkte, hat dieser es versäumt, eine künftige NATO-Osterweiterung vertraglich auszuschließen. Alle mündlichen Zusagen der Westmächte waren auf Dauer nicht von Wert. Die NATO ergriff die Gunst der Stunde, ihren Einfluss auf die Territorien der Ex-Sowjetunion auszuweiten. Russland, der Rechtsnachfolger UdSSR, sah sich mehr und mehr von NATO-Ländern umzingelt. Putin hat dies 2007 während der Internationalen Sicherheitskonferenz in München angesprochen: „Wir betrachten die Ankunft eines Militärblocks an unseren Grenzen als eine direkte Bedrohung der Sicherheit unseres Landes.“ Seine Bedenken wurden nicht ernstgenommen, sogar belächelt. Der neue Kalte Krieg nimmt mit der Aufnahme weiterer Staaten in die NATO seinen Russland provozierenden Verlauf. Da Georgien und insbesondere die Ukraine immer lauter nach einer Mitgliedschaft in der EU und NATO streben, sieht Putin keinen Ausweg mehr. Mit Verhandlungen scheint eine Präsenz der NATO im Vorhof Russlands nicht mehr zu verhindern zu sein.
Hans Dütsch
Bruckmühl
Sind denn alle wahnsinnig geworden? Sollen tatsächlich wieder russische Soldaten durch deutsche Waffen sterben? Putin wollte von der NATO die Zusicherung, dass die Ukraine neutral bleibt, und nicht der NATO beitritt. Die hat er nicht bekommen. Also trägt die NATO zumindest Mitschuld am ganzen Desaster! Jetzt spricht sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auch noch für einen Beitritt der Ukraine in die EU aus! Zu einer Deeskalation trägt das mit Sicherheit nicht bei.
Harald Lohner
Töging