Zu „Zurück in finstere Zeiten“ (Kommentar von Alexander Weber, Politikteil):
Die moralische Unterstützung für Putin zur russischen Aggression gegen die Ukraine durch den Patriarchen Kyrill I ist skandalös und mit nichts aus der Lehre der Kirchen – auch der russisch-orthodoxen – entschuldbar. Der zweite Abschnitt des Kommentars jedoch schlägt völlig undifferenziert gegen die „Kirche“. Die Behauptung, dass die Kirche sich seit der Antike gegen christliche Lehre und Gebote gewendet habe, ist weder historisch noch lehrgemäß wahr. Es ist wahr, dass auch getaufte Christen schwere Fehler und auch Verbrechen begangen haben. Wahr ist, dass religiöse Argumente missbraucht und verdreht wurden. Es ist jedoch ebenso wahr, dass dies nicht das Wesen und die Lehre der katholischen und apostolischen Kirche sind. In der Antike konnte die Kirche nicht politisch aktiv im behaupteten Sinn werden. Das Mittelalter umfasst circa 1000 Jahre und kirchlich begründeter politischer Missbrauch hat Seltenheitswert. Selbst die Kreuzzüge basieren weitgehend auf Verteidigungsstrategien, denn Machtinteresse. Insbesondere deutsche Fürsten nutzten reformatorische Bestrebungen zu tödlichen Machtspielen und eröffneten das Ringen der europäischen Nationen nach Dominanz – ohne große religiöse Besonderheiten. Diesem Denken hat die katholische Kirche seit dem 18. Jahrhundert entgegengestanden. Die Friedensinitiativen der Kirche im vorigen Jahrhundert werden gerne von Kommentatoren verschwiegen.
Dr. Stephan Maria Hitzel
Raubling