Zu den Berichten über die Energiekrise (Politikteil):
Es ist schleierhaft, nach welcher Formel die Höhe der Gasumlage berechnet wird. Unklar ist auch, wer die Gasumlage bekommt. Sind das alle Energiekonzerne – oder nur die, die zahlungsunfähig wären? Wie ist der Verteilungsschlüssel? Es wäre ein schlechter Witz, wenn Konzerne, die Milliardengewinne machen, auch Vorteile hätten, damit sie die üppigen Vorstandsgehälter und die Dividenden bezahlen können.
Für die Wartung der Turbinen bei Nordstream 1 gibt es offenbar ein eingespieltes Verfahren. Warum das nicht mehr funktioniert, erklärt niemand. Warum eine Turbine nach der Wartung nicht dorthin geliefert wird, wo sie benötigt wird, sondern nach Deutschland, ist ein Schildbürgerstreich. Man könnte sich auch bemühen, dass Nordstream 2 in Betrieb geht. Die meisten Probleme wären schlagartig erledigt. Aber das geht aus politischen und ideologischen Gründen nicht. Unsere Außenministerin will ja Russland ruinieren.
Dass die Wirtschaftssanktionen gegen Russland bisher keinen erkennbaren Einfluss auf den Friedensprozess in der Ukraine haben, kann jeder sehen. Sollten die Gaspreise auf das Drei- oder Vierfache steigen, werden uns staatliche Entlastungen auch nicht mehr helfen. Einzige Konsequenz: alle Sanktionen aufheben.
Alfons Schwarzenböck
Aschau
Manche Zeitgenossen meinen, wenn sie einen Bauernhof besucht haben, würde sie das als Experten qualifizieren. Der Anbau von Energiemais reduziert keineswegs die Flächen, die für Ernährung notwendig sind. Dies geschieht schon durch das Flächenmanagement der Politik. Nicht aller Mais auf Deutschlands Äckern wandert in Biogasanlagen. So beträgt der Anteil von Mais circa 18 bis 20 Prozent der Ackerfläche. Gut 80 Prozent der Maisernte wandert direkt in die Tiermägen oder kommt in verschiedenen Formen in die menschliche Ernährung.
Bisher gibt es noch keine Frucht, deren Flächeneffizienz annähernd an die von Mais heranreicht. Die Anbaumethoden haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten weiterentwickelt. Ein großer Teil der Mais-Saat erfolgt heute in abgefrorene Zwischenfruchtbestände oder gemulchtem Roggen, was die Bodenerosion deutlich verringert.
Erosion als Folge von katastrophalem Unwetter kann niemand gänzlich verhindern. Beim Pflanzenschutz gehört der Mais zu den Früchten mit dem niedrigsten Aufwandmengen pro Hektar. Fungizide kommen im Mais lediglich bei der Beizung zur Anwendung. Insektizide müssen mancherorts gegen den westlichen Maiswurzelbohrer, einem Transitschädling, eingesetzt werden. Herr Graser ist hier scheinbar dem Nichtwissen einiger „Experten“ oder selbst ernannter Fachleute auf dem Leim gegangen. Der zulässige Maisinput in der Biogasanlage liegt aktuell bei 40 Prozent. Und neue Anlagen, wenn es sie noch gibt, müssen sogar mit weniger auskommen, was natürlich die Wirtschaftlichkeit verschlechtert. Die Verwertung von Abfallstoffen ist fest in der Hand der gewerblichen Abfallwirtschaft, und die lässt sich nicht die sprichwörtliche Butter vom Brot nehmen. Fracking wird nur wegen der aktuellen Gasknappheit thematisiert, ist aber eine Katastrophe.
Johann Hötzinger
Schönberg
In den OVB-Heimatzeitungen sind Beispielrechnungen des Finanzministeriums aufgeführt, die auflisten, was die staatlichen Hilfen für einzelne Bevölkerungsgruppen bringen. Die Beispielrechnung für Rentner ist dabei ein besonders „gelungenes“ Beispiel für Realitätsferne. Bei der Rentnerin mit einer Rente von 1000 Euro im Monat fragt man sich in erster Linie, wie viel ihr nach Zahlung der Warmmiete und der Stromrechnung noch zum Leben bleibt. Da schwafelt das Finanzministerium davon, dass diese Rentnerin auch noch ein Auto hat und damit so viele Kilometer im Monat fahren kann, damit sie in den Genuss von 57 Euro Tankrabatt kommt. Der genannte Heizkostenzuschuss hat zudem nichts mit Rentnern zu tun, sondern den bekommen alle Wohngeldbezieher. Eine Summe von 370 Millionen Euro Entlastung hat die Bundesregierung auf den Weg gebracht, manches ist auf den Konten der damit bedachten Bürger auch bereits angekommen, aber für die Konten der Rentner ist nichts dabei.
Edith Riedl
Neubeuern
Mit der geplanten Gas-Umlage stimmt so einiges nicht. Sie wird ausschließlich von einer Mehrheit der Gas-Kunden erhoben, obwohl das dahinterliegende Problem die Volkswirtschaft als Ganzes trifft. Gas-Mangellage und Preisanstieg sind nämlich den (durchaus richtigen) Entscheidungen der Regierung geschuldet, auf die russische Aggression mit Sanktionen und Waffenlieferungen zu reagieren. Die Reduzierung der Gaslieferungen durch Moskau ist eine unmittelbare Folge des Regierungshandelns und daher eigentlich von allen Steuerzahlern zu tragen. Aber noch nicht einmal alle Gas-Kunden erreicht die Umlage. Eine nach Habeck „gerechtestmögliche Lösung“ stellt diese Umlage somit keinesfalls dar.
Russengas gibt es kaum noch, die Versorger müssen sich nun anderweitig die Gasmengen beschaffen, die sie mit ihren Kunden vereinbart haben. Aber zu welchem Preis, vielleicht zum Preis „egal“, denn für Ausgleich in der Bilanz sorgt ab Oktober 2022 die neue Gas-Umlage? Wie will die überwachende Agentur denn prüfen, ob es nicht günstigere, alternative Bezugsquellen gibt oder gegeben hätte. Der Preis wird zweitrangig, weil die Umlage den Kostendruck mindert. Und außerdem wird es ohnehin hübsche Preisaufschläge geben, wenn die deutschen Einkäufer wegen der kommenden Umstellung auf heimische Öko-Energien keine langfristigen Abnahmeverpflichtungen eingehen wollen. Investments müssen so in wenigen Jahren zurückfließen, was „Preis kostet“.
Norbert Vogel
Schechen
Wenn Herr Söder den Tschechen bei seinem Besuch dafür dankt, dass sie mit ihren Setzen auf Kernenergie beispielhaft sind und er auf der anderen Seite den tschechischen Plan eines Endlagers in Grenznähe zu Bayern kritisiert, dann finde ich das gelinde gesagt ziemlich inkonsequent. Atomkraft, ja bitte. Endlager, nein danke? Diese beiden sind leider nur im Doppelpack zu haben.
Dass nun Söder oder Merz, verbunden mit ihrem Besuch im AKW Isar 2, sich auf ein Gutachten des TÜV Süd berufen, das einen Weiterbetrieb des Kernkraftwerks sicherheitstechnisch für möglich hält, stimmt mich schon nachdenklich. Ausgerechnet der TÜV Süd. Vor gut drei Jahren brach der Staudamm in Brasilien, 272 Menschen starben. Dabei hatte der TÜV Süd kurz zuvor das Bauwerk geprüft und für gut befunden. Über eine mögliche Mitschuld verhandelt nun ein Münchner Gericht. Und dieser Prüfkonzert darf jetzt das Gutachten für ein AKW erstellen?
Kernenergie ist nicht nachhaltig, wie es jetzt mit der EU-Taxonomie beschlossen wurde, außer dass sie nachhaltig strahlt. Ich bin kein Fachmann, doch Atomkraft sollte wirklich nur der allerletzte Strohhalm sein, an den wir uns klammern. Jeder kann dazu beitragen, Energie zu sparen. Wir sind leider gewohnt, sie zu verprassen. Es wird Zeit, dass man sie wieder zu schätzen lernt, damit es sich nicht einmal bewahrheitet, wie der Historiker Leopold von Ranke die Menschen beschreibt: „Die meisten sehen den Ruin vor Augen, aber sie gehen hinein.“
Regina Bacher
Bad Feilnbach
Eben habe ich den Ratenplan für das nächste Jahr erhalten. Als Nutzer einer Gastherme hat sich die Abschlagszahlung im Vergleich zu 2020 verdreifacht. Und das fiel nur deshalb so „gering“ aus, weil sich in dieser Zeit die Personenzahl im Haushalt reduziert hat. Jetzt muss ich mir von diesen grünen Schlaumeiern sagen lassen, dass ich nicht zu heiß und nicht zu lang duschen und auch nicht permanent das Licht brennen lassen oder in einer kalten Wohnung sitzen soll. Da komme ich angesichts dieser neuen Raten selbst drauf. Ich bin es leid, mir diese Floskeln anzuhören.
Ich wähle keine Politiker, die mir „weise“ Ratschläge erteilen, sondern ich wähle Politiker, die für das Volk verantwortungsvoll handeln und das Beste für uns machen. Es wäre hilfreich, wenn sich diese Personen auf ihre Arbeit konzentrieren und dafür sorgen, dass kurzfristig eine sichere und preisgünstige Energieversorgung mit langfristig tragfähigen Technologien verfügbar wird. Damit meine ich keine „optisch reizvollen“ und versorgungstechnisch unsicheren Windradl, sondern zukunftssichere Technologien (zum Beispiel Solar- oder Wasserstoffenergie). Angesichts der steigenden Elektrifizierung muss die Forcierung der Kernfusion ein Ziel sein. Das sind effiziente und zukunftssichere Technologien. Das Aufstellen von Propellern löst die Energieversorgung langfristig nicht. Das ist nur Aktionismus. Was passiert denn, wenn die angepeilten zwei Prozent der Fläche Deutschlands zugepflastert sind? Gehen wir dann in den zweiten Stock? Was passiert, wenn, wie eben geschehen, in der fränkischen Schweiz und in Brandenburg die Wälder brennen und diese Radl stillstehen oder sogar abbrennen? Liebe Grüne bitte erst denken, dann handeln.
Dieter Thomamüller
Bruckmühl
Können Politiker eigentlich noch in den Spiegel schauen bei dem, was sie im Minutentakt an Blödsinn verzapfen? Unser Ministerpräsident will Atomkraftwerke weiterbetreiben, nachdem die CSU mitsamt CDU und SPD in 16 Regierungsjahren die Energiewende komplett verpennt hat und Bayern ohne Russengas ziemlich blöd dasteht. Erst ein halbes Jahr, dann vielleicht noch etwas länger. Noch mehr Atommüll für kommende Generationen, wo keiner weiß, wohin damit. Laufende Meiler, die zur Kühlung Wasser brauchen, das eher weniger wird, und die bei bewaffneten Konflikten als Waffe missbraucht werden können, wie wir mittlerweile lernen durften.
Herr Lauterbach entzieht unterdessen Geimpften den Status, wenn die letzte Impfung mehr als drei Monate her ist. Impfen im Quartalstakt. Hatte ich Anfang des Jahres schon mal prophezeit, selbst aber nicht wirklich geglaubt. Pech gehabt. Was fällt ihm sonst noch ein? Vielleicht gleich eine festinstallierte Nadel und bei jedem Arztbesuch was nachlegen?
Der Bundespräsident macht sich für sozialen Pflichtdienst stark. Jetzt sollen wieder die Jüngeren, die in den Corona-Jahren eh schon unter die Räder gekommen sind, „ihren Beitrag für die Gesellschaft leisten“ und Solidarität zeigen. Wie wäre es mal mit Solidarität der Alten für die Jungen? Bessere Bildungschancen, die Klimakrise mal konsequent anpacken, kein Kind/Heranwachsender in Armut, einen gerechten Generationenvertrag, bei dem die Jungen auch mitreden dürfen, bezahlbare Wohnungen, sichere und gutbezahlte Jobs, mit denen man seine eigene Zukunft gestalten kann, und so weiter. Zusammengefasst: der Jugend eine lebenswerte Zukunft ermöglichen. Nicht immer nur „haben wollen“. Das wär doch mal was.
Ulrich Eiwan
Amerang