Zu „Jesu Worte ewig?“ und „Kirche muss kein Event sein“ (Leserbriefseiten):
Herr Dr. Steininger hat wieder mal einen fragwürdigen Leserbrief geschrieben, in dem er lauter fixe religiöse Ideen verbreitet. So hat Jesus niemals wirklich eine „Rede über die Endzeit“ gehalten, ebenso wenig seine berühmte „Bergpredigt“. Beide Reden wurden von Evangelisten konstruiert und Jesus nachträglich in den Mund gelegt.
Richtig ist, dass Jesus und seine Anhänger ein apokalyptisches Weltbild vertraten. So wollten sie sich an dem vermeintlich bösen, römischen Weltreich rächen und zugleich selber aus diesem „Sündenbabel“ entfliehen. Darin haben sie sich allerdings gründlich getäuscht, denn ihr sehnlichst erwartetes „Ende“ ist auch nach fast 2000 Jahren immer noch nicht eingetreten.
Wir denken heute die Geschichte nicht mehr vom „Ende“ her, sondern sehen die Zukunft als prinzipiell offen und endlos an.
Ja, die meisten modernen Staaten sind sich darin einig, dass in der Umwelt- und Klimapolitik alles getan werden muss, um ein „Ende“ der menschlichen Zivilisation auf unserer Erde zu verhindern. An diesen Versuchen, unsere Erde vor einem „Ende“ durch Umweltzerstörung zu „retten“, sollten wir „unerschütterlich festhalten“ – und nicht an den apokalyptischen Erlösungsvorstellungen einer „kleinen Herde“ von unbelehrbar abergläubischen Christen, die von einem jenseitigen „Reich“ Gottes voller „Herrlichkeit“ träumen. Und nun noch ein paar Worte zum Leserbrief von Herrn Grandl. Seine erneute Aufforderung, mehr zu beten, wird durch ständige Wiederholung nicht überzeugender.
Gebete sind hilflose Versuche von religiöser Wortzauberei, und als solche „nutzlos“ (Aristoteles).
Außerdem sieht Herr Grandl heute einen strafenden Gott am Werk, auch bei Corona. Dahinter steht ein primitives, allzu menschlich-kindliches Gottesbild, von dem sich moderne Intellektuelle wie zum Beispiel Albert Einstein schon längst verabschiedet haben. Einem „lieben Gott“ mit menschlichen Eigenschaften konnte Einstein nichts abgewinnen.
Ein belohnender und bestrafender Gott mochte für „unterentwickelte Gemüter“, wie er sich ausdrückte, sinnvoll sein, aber nicht für geistig anspruchsvolle Menschen.
Ulrich Kretzschmar
Prien