Zum Bericht „Am Montag streiken die Busfahrer des RVO in der Region“ (Politikteil):
Der Verfasser dieser Zeilen ist Jahrgang 1934. Aufgewachsen in einer Eisenbahnerfamilie, der Opa Hauptlokführer (Dampf), der Papa Zugführer. Das alltägliche Leben wurde bestimmt vom „Turnus“ (Dienstplan).
Als Eisenbahner, ob Lokführer oder Heizer, Weichensteller, Streckenläufer, Stellwerker, Rangierer, Schrankenwärter und so weiter hatte man ein berufliches Standesgefühl. Man leistete dem Land und seinen Menschen einen wichtigen Dienst, war darum auch anerkannt und geachtet.
„Fahren“ war das Leitmotiv. Ich erinnere mich noch an die Kriegs- und Nachkriegszeit, wo trotz zerbombter Bahnhöfe, Betriebswerken, Lokomotiven und Waggons die Eisenbahner das „Fahren“ trotzdem als erste Aufgabe sahen und Schwierigkeiten bestmöglich lösten.
Notwendige Anmerkung: Es brauchte keine Gewerkschaft. Tempi passati! Nun wurde also privatisiert. Die Bahn war plötzlich keine Einrichtung der staatlichen Grundversorgung mehr, sondern eine Aktiengesellschaft. Also brauchte man jetzt auch unbedingt eine Gewerkschaft. Deren Häuptlinge können es unbestraft wagen, das Land für einen ganzen Tag lahmzulegen. Die auf die Aktiengesellschaft angewiesenen Menschen in gewaltige Schwierigkeiten zu stürzen, wirtschaftliche Millionenschäden anzurichten und dazu noch sich in überheblichen Reden selber zu feiern. „Fahren“? Nachrangig.
Hans Daxer
Marquartstein
Nichts gegen berechtigte Streiks und Demos, solange sie legal ablaufen. Das ist verbrieftes Grundrecht. Hat es „Verdi“ bei der Kundgebung auf dem Max-Josefs-Platz aber nötig, die Stimmung mit ständigem Sirenengeheul anzuheizen? Könnte es sein, dass hier die Rote Linie des guten Geschmacks erheblich überschritten wurde?
Gerade in unserer politisch so angespannten Zeit müsste sich ein solches Treiben von selbst verbieten. Probealarm ja, aber bitte keine kriegerischen Geräusche aus Jux und Tollerei.
Walther Prokop
Rosenheim