Zum Artikel „Lauterbachs Pflegereform sorgt für Kritik“ (überregionaler Teil):
Wenn es bei der jetzigen Pflegeform wieder primär um den Mangel an Pflegkräften und bessere Bezahlung mittels höherer Beiträge geht, bleiben die Grundprobleme erhalten. Da seit Beginn der Pflegeversicherung die Ausgaben um etwa das Vierfache angestiegen sind, muss auch einiges im System selbst krank sein. Obwohl wir noch nie so viele Ärzte, Therapeuten, Pflegekräfte und entsprechende Einrichtungen hatten, gehen Klagen und Probleme nicht zurück. Wenn inzwischen fast jeder Zweite übergewichtig ist – woraus sich auch zunehmend Krankheits- und auch Pflegefälle ergeben – ist es höchste Zeit, auch mehr bei der Eigenverantwortung anzusetzen. So manche Notwendigkeit für einen Rollstuhl oder so mancher Schlaganfall könnte so unterbleiben – und in Kliniken und Pflegeeinrichtungen wäre wieder Platz für echte Notfälle.
Offensichtlich hat man sich daran gewöhnt, bequem ohne besondere eigene Anstrengung bei Ärzten, Kliniken und Pflegeeinrichtungen sein Kranksein „abzugeben“. Die Rechnung geht für eine zunehmend industriemäßig geführte Krankheits- sowie Pflegeversorgung auf, deren Einrichtungen wie Pilze aus dem Boden schießen und die immer mehr kostet und mehr Pflegepersonal benötigt. Wenn seit Jahren nicht nur im Pflegebereich junge Fachkräfte fehlen, so wird hier eine langjährig vernachlässigte Familienpolitik spürbar. Wer Kinderarmut sät, wird letztlich auch Pflegeprobleme und Altersarmut ernten. Wenn Erziehungsleistungen immer noch weitgehend als Ausfallzeiten bei der Rente bedacht werden, so ist es nachvollziehbar, dass wir als reiches Land seit Langem ganz arm daherkommen.
Simon Kirschner
Gaimersheim