Psychisch krank – aber warum?

von Redaktion

Zur Berichterstattung über psychische Spätfolgen der Corona-Pandemie bei Kindern (überregionaler Teil):

Man hört und liest in letzter Zeit viel über durch die Pandemie psychisch gestörte Kinder. Dass die Pandemie für die Jugend nicht leicht war, ist mir sehr klar.

Ich bin während des Krieges in die Schule gegangen. Mein Schulweg führte zweieinhalb Kilometer über Wiesen und Waldwege. Zu dieser Zeit gab es noch keinen Schulbus. Wenn die Tiefflieger kamen, flüchteten wir in die ausgetrockneten Wiesengräben oder krochen an die Pfosten von der Viehweide. Auch der kleine Wald auf halbem Weg war praktisch für uns. Bei großer Gefahr blieben wir dort einfach stehen und gingen dann wieder heim. Die Schule war auch längere Zeit geschlossen und wurde als Gefangenenlager genutzt. Einer meiner Schulfreunde hatte seine Eltern in München. Wenn er bei denen war, passierte es, dass er aus dem Luftschutzbunker kommend die Toten sah, die vor dem Eingang lagen. Zum Staat konnten unsere Eltern nicht kommen, da es zu dieser Zeit nur Diktatur und Grausamkeit gab.

Ich kenne keinen meiner Mitschüler, der dadurch einen psychischen Schaden erlitten hätte. Vielleicht waren wir doch krank und es wurde uns nur nicht gesagt. Dann wundere ich mich aber, dass aus diesen kranken Kindern gesunde, fleißige Leute wurden, die den Staat zum heutigen Wohlstand aufgebaut haben. Ich vermute, zu dieser Notzeit waren die Kinder widerstandsfähiger als die im heutigen Wohlstand.

Ich bin mir sicher, dass der heute zum Teil übertriebene Handygebrauch für die Jugend schädlicher ist als die zum Glück überstandene Pandemie.

Sebastian Mühlhuber sen.

Rott

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