Zu Berichterstattung über die fehlende Schreib- und Lesekompetenz bei Grundschülern (überregionaler Teil):
Ein Viertel der Grundschüler haben große Schwächen beim Lesen und Schreiben. Das ist eine besorgniserregende Feststellung, sie ist nur nicht neu. Seit Jahren weisen Pädagogen auf diese Entwicklung hin. Passiert ist allerdings nichts. Es fehlen auch in Bayern unzählige Grund- und Förderschullehrer. Die Folge sind unter anderem größere Klassen, weniger individuelle Betreuung und weniger Förderung durch zunehmend überforderte Lehrkräfte.
Wenn jetzt Herr Piazolo eine Konzentration auf die Kernkompetenzen fordert, ist das mehr als scheinheilig. Schließlich steht er dem Ministerium vor, das für Lehrinhalte die Verantwortung trägt und sie verbindlich vorgibt. Wenn er jetzt „viele, viele Projekte“ beklagt, möge er sich mal an die eigene Nase fassen. In seine Amtszeit fällt die Einführung eines jährlich zu wiederholenden, verbindlichen Projektes, das in einer gesamten Projektwoche seinen Höhepunkt findet. Und die von ihm ausdrücklich genannten Themen zur Überfrachtung des Lehrumfanges, nämlich Medienkompetenz und Berufsorientierung, gehen völlig fehl.
Jedes Grundschulkind hat heute ein Smartphone und lange nicht alle Eltern achten (ausreichend) darauf, was ihre Kinder da so alles „konsumieren“. Die Schaffung von Problembewusstsein im Sinne von Medienkompetenz ist da unabdingbar.
Der Hinweis auf die Berufsorientierung zeugt von völliger Ahnungslosigkeit des Ministers. Mir ist nicht bekannt, dass auf dieses Thema in der Grundschule auch nur eine einzige Stunde verwendet wird.
Worauf wir dagegen großzügig Stunden verwenden, ist Religionsunterricht. Ganze drei Wochenstunden wird dieses Fach unterrichtet. Wenn man davon zwei Stunden kappt und zusätzlich Englisch einspart, könnte man die freien Kapazitäten auf Kernkompetenzen verwenden!
Jürgen Kotzur
Großkarolinenfeld