Beim Staudamm ist die entscheidende Frage: Cui bono?

von Redaktion

Zum Leserbrief von Dr. Andreas Strasser, Thema Kachowka-Staudamm (Leserbriefseite):

Man weiß bisher nicht mit letzter Sicherheit, wer den Staudamm gesprengt hat. In diesem Punkt hat Herr Strasser recht. Seine weiteren Ausführungen sind allerdings bemerkenswert einseitig. Er behauptet, dass nur der Kreml als Täter beschuldigt würde. Nach meinem Wissen haben sich die Ukraine und Russland gegenseitig der Sprengung bezichtigt. Dmitri Kiseljow, wichtiger Propagandist im russischen Staatsfernsehen, nannte das Ereignis beispielsweise einen „geplanten Terrorakt“ der Ukraine.

Die entscheidende Frage dürfte sein: Cui bono? Die von Herrn Strasser angeführten historischen Beispiele zeigen dies deutlich. Die Dithmarscher Bauern konnten durch das Öffnen der Deichsiele das dänische Heer vernichtend schlagen, die Alliierten bombardierten im Zweiten Weltkrieg mehrere Talsperren, um die Rüstungsindustrie im Ruhrgebiet zu schädigen. Die Sprengung des Staudamms erschwert eine geplante Gegenoffensive der Ukraine in der Region Cherson erheblich, wenn sie sie nicht sogar fast unmöglich macht. Sie wäre also ein gewaltiger taktischer Missgriff der Ukraine gewesen.

Herr Strasser wünscht dem südafrikanischen Präsidenten Ramaphosa Glück bei seiner Friedensinitiative, vom bösen Europa (meint er da auch Serbien oder Ungarn?) gehe nur Säbelrasseln, aber keine Friedensdi- plomatie aus. Glück brauchte Ramaphosa tatsächlich, musste er doch bei seinem Besuch in Kiew im Hotelbunker Zuflucht suchen, da ihn die „friedliebenden“ Russen mit dem größten Raketenangriff auf Kiew seit Wochen herzlich begrüßten.

Bernward Schmidt

Prutting

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