Besser ein ungerechter Frieden?

von Redaktion

Zum Artikel „Wann der Ukraine-Krieg wirklich endet“ (Politikteil):

Dr. Kindl schildert eindrucksvoll die schrecklichen Folgen des Ukraine-Krieges. Er schreibt über „zigtausende gefallene, verwundete, verkrüppelte, gefolterte, traumatisierte Soldaten“, er berichtet über die verheerenden Folgen für die Natur. Kurz, ein überzeugendes Plädoyer für Diplomatie und sofortige Waffenstillstandsverhandlungen. Das dachte ich zumindest.

Doch der Autor kommt zu einem ganz anderen Schluss. Er kritisiert nicht diejenigen, die durch immer mehr Waffenlieferungen und Verweigerung von diplomatischen Initiativen den Krieg in die Länge ziehen wollen. Nein, er diffamiert die Autorinnen des Friedensappells, Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer, und wirft ihnen „erschütternde Empathielosigkeit“ vor. Ich frage mich: Wie viele junge Ukrainer und Russen müssen noch auf den Schlachtfeldern verbluten, nur damit die Ukraine vielleicht am Ende eine bessere Verhandlungsposition hat?

Die Argumentation des Autors wirkt nur deswegen halbwegs nachvollziehbar, weil er in extremer Schwarz-Weiß-Malerei in Putin und „seinen Schergen“ offenbar den Teufel persönlich am Werk sieht, während er bei der ukrainischen Führung nur edles Freiheitsstreben entdeckt.

Ich sehe da mehr Grautöne. Nach dem neuesten World-Happiness-Report der UNO (Daten wurden noch vor dem Krieg erhoben), der Glück und Zufriedenheit der Menschen in fast allen Staaten der Welt misst, steht Russland von circa 150 Ländern an 70. Stelle, die Ukraine an 92. Ich bin mir nicht sicher, ob die Mehrheit der Menschen im Donbass und auf der Krim überhaupt „befreit“ werden möchte.

Natürlich ist es ungerecht, wenn die Ukraine am Ende vielleicht auf einige Gebiete verzichten müsste. Aber ist nicht „ein ungerechter Frieden besser als der gerechteste Krieg (Cicero)“, zumal im Atomzeitalter?

Wilfried Rahe

Mühldorf

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