Zum Bericht „Ein Zug wird aufgemöbelt“ (Bayernteil):
Um es vorweg zu sagen: Ich bin eine begeisterte Zugfahrerin und war schon in den verschiedensten Zügen unterwegs. Sowohl in schnellen, wie TGV und RailJet, als auch in langsamen wie Chiemseebahn und dem Rasenden Roland, und bin deshalb auch innovativen Ideen gegenüber sehr aufgeschlossen. Sechs Jahre wurde geplant vom ersten Ideenkonzept bis zur Umsetzung des „Ideenzugs“. Die Chefin von DB Regio Deutschland lobte den Zug als „Nahverkehr der Zukunft“, auch wenn dafür 17 Sitzplätze entfallen mussten. Durch Fahrgast-Befragungen soll zunächst aber ermittelt werden, was am besten ankommt.
Für Verkehrsminister Christian Bernreiter hat der Stammtisch im Waggon Priorität, denn da könne man gleich die Schafkopfkarten auspacken. Thomas Prechtl, der Chef der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, meinte dazu, dass eine „gspinnerte Idee“ Wirklichkeit wird und die Planung Spaß gemacht hat. Wenig Spaß macht allerdings die Wirklichkeit, dass sich Rollstuhlfahrer, Menschen mit Rollatoren und Mütter mit Kinderwägen zusammen mit mitgebrachten Fahrrädern in Deutschland eine kleine Ecke in einem Waggon teilen müssen und Begleiter nicht einmal auf den dort angebrachten Notsitzen Platz nehmen können, weil genau dieser Platz für die Rollstühle vorgesehen ist.
Eine wirkliche Innovation wäre es, wenn endlich einmal ein Waggon geplant würde, in dem der vorgenannte Personenkreis bequem Platz hätte und der Einstieg mit einer ausgefahrenen Rampe möglich wäre, um die unterschiedlichen Bahnsteighöhen auszugleichen. Bei einer Zahl von rund 7,8 Millionen schwerbehinderten Menschen in Deutschland wäre das eine Notwendigkeit und keine „gspinnerte Idee“. Zumal es sogar Menschen im Rollstuhl gibt, man höre und staune, die auch Schafkopf spielen können.
Edith Riedl
Neubeuern