Jahrhundertealter Antisemitismuswar nie weg

von Redaktion

Zum Bericht „Antisemitismus nimmt stark zu“ (Politikteil):

Meiner Meinung nach war der Antisemitismus nie weg. 1029 rief Papst Urban II. zum ersten Kreuzzug auf und damit kam die Vorstellung dazu, auch die ungläubigen Juden zu beseitigen, die folgerichtig Demütigungen als Strafe Gottes hinzunehmen hätten. Pogrome in Bayern begannen 1298/99 und während der Pestepidemie 1348/49, dafür wurden Juden verantwortlich gemacht. Die fürchterlichen Lügen der Ritualmorde entstanden. Sie besagen, dass Juden in der Osterzeit kleine Kinder töten und deren Blut trinken. Zwischen 1536 und 1546 hetzte der Reformator Martin Luther gegen die Juden. Seine Predigten und Schriften hatten einen beispiellosen Charakter. Er rief zur Zerstörung alles Jüdischen auf. Die Lügen von Hostienschändungen wurden an verschiedenen Orten den Juden angelastet. Als Schülerin in den 1960er-Jahren wurden wir zu dem Hostienfrevel in Deggendorf 1337 unterrichtet. In dem Fach Heimat- und Sachkunde wurde für uns Schüler ein Tagesausflug zu „Deggendorfer Gnad“ organisiert. Unsere Lehrerin erzählte uns die Geschichte von dem Hostienfrevel der Juden als historische Tatsache. Es wurde nicht erwähnt, dass die Juden damals allesamt verbrannt wurden, ein unsägliches Massaker wurde verübt, mit Opfern unbekannter Anzahl. Geistliche, Honoratioren, Äbte und Patres unterstützten dieses Märchen über Jahrhunderte. Herzog Heinrich XIV. von Bayern segnete diesen Judenmord ab. Dieses religiös verbrämte Verbrechen wurde 650 Jahre vermarktet und aufrechterhalten. Bis 1992 fand die jährliche sogenannte Hostienwallfahrt statt. Jahrhundertelang wurden Juden mit Lügengeschichten in der christlichen Welt verleumdet. Wie soll das von heute auf morgen aus den Köpfen gelöscht sein?

Gudrun Baumann-Sturm

Raubling

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