Wirbel um Wirtschaftsweise

von Redaktion

Zum Bericht „Fünf Ideen für die Rente der Zukunft“ und dem Interview „Wer mit 63 in Rente geht, ist oft gesund“ (Politikteil):

Das Interview mit der Wirtschaftsweisen (hinter „weise“ setze ich ein Fragezeichen) Frau Schnitzer wirft Fragen auf. Sie sagt zum Beispiel: Bei uns haben die allermeisten eine zusätzliche Absicherung durch eine Betriebsrente. Dass Betriebsrenten zum großen Teil selbst angespart werden, wird verschwiegen.

Zum Thema körperlich anstrengende Berufe sagt sie, dass in der letzten Phase des Arbeitslebens der Arbeitnehmer oft in die Ausbildung oder andere weniger belastende Bereiche gewechselt werden kann. Das halte ich, gerade im Handwerk, für ein Ammenmärchen; welcher Betrieb kann sich das leisten? Weiter sagt Frau Schnitzer – Zitat – „Schon jetzt schießt der Staat ein Viertel seines Haushalts in die Rente.“ Das suggeriert, dass ein Teil der Rentenbezüge aus Steuermitteln gezahlt wird. Dieses Geld wird einzig und allein für versicherungsfremde Aufgaben benötigt.

Diese Aufgaben hat der Staat der Rentenversicherung aufs Auge gedrückt, um sich zum Teil vor gesamtgesellschaftlichen Zahlungen zu drücken. Und so belastet er allein die gesetzlich versicherten Arbeitnehmer und Rentner, weil der Zuschuss jährlich circa 20 Milliarden Euro zu niedrig ist. Aufgemerkt: Rentenzahlungen werden nach wie vor von den Beiträgen gestemmt.

Die Regierung scheut ein gerechtes, solidarisches Rentensystem, in dem alle Einkommen einbezogen werden, wie der Teufel das Weihwasser. Man traut sich nicht, sich selbst, Freiberufler, Selbstständige und auch Beamte ins Boot der gesetzlichen Rentenversicherung zu holen. Dass das nicht von heute auf morgen geht, ist wohl klar, aber man muss anfangen, in diese Richtung zu gehen und nicht ständig das System verschlimmbessern. Die Seiten der Deutschen Rentenversicherung und der Aktion Demokratische Gemeinschaft e.V. geben umfassende Auskunft. Auch und gerade die Gewerkschaften wären in diesem Sinne gefragt, in Berlin Druck zu machen!

Holger Mairoll

Kolbermoor

Natürlich müssen sie nicht mit 63 Jahren gesund in die Rente gehen, weder in der Schule noch beim Studium wurde ihre Muskel- oder Allgemeinkraft beansprucht. Ich empfinde die Äußerungen von Frau Schnitzer als Unverschämtheit. Sie hat absolut keine Ahnung davon, was diese Menschen zum Teil geleistet haben. Nach 40 und mehr Jahren sind Handwerker, Pflegepersonal, Bauern und alle anderen Arbeiter und Angestellte garantiert nicht mehr gesund! Diese Menschen haben oft schon sehr jung am Arbeitsleben teilgenommen. Nicht jeder hatte das Geld für ein Studium. 40-Stunden-Wochen bei geringem Lohn – das war Normalität. Frau Schnitzer könnte einmal eine Woche bei über 30 Grad beim Asphaltieren einer Straße oder auf dem Bau helfen, um zu sehen, wie gut man sich am Ende eines solchen Tages noch fühlt. Auch das Pflegepersonal muss bei diesen Temperaturen Bettpfannen und Windeln wechseln, bei zum Teil überlangen Schichten, weil nicht genug Personal vorhanden ist. Und dabei sollen sie auch noch freundlich sein – obwohl manche Patienten auch noch unverschämt sind. Auch in Ämtern und Büros arbeiten viele Menschen unter Stress, werden beschimpft und noch vieles mehr, was leider auch täglich vorkommt. Auch die Tiere auf dem Bauernhof und die Felder müssen rund um die Uhr versorgt werden, ansonsten bleiben unsere Teller leer. Auch Ihrer, Frau Schnitzer. Übrigens, danke für die Anlage-Tipps und die guten Ratschläge in Bezug auf das „Versilbern“. Bei Ihrem Verdienst stellt sich diese Frage natürlich nicht, aber die „gesunden Rentner“ haben schon ein Problem, da die große Mehrheit nie genug Einkommen hatte, um Geldanlagen zu tätigen. Deshalb gehen auch viele Rentner im Alter noch arbeiten, müssen zur Tafel oder sogar Flaschen sammeln. Aber: Hauptsache, sie sind gesund!

Karin Reynolds

Kolbermoor

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