Ein Streikohne jede Not

von Redaktion

Zur Berichterstattung über den Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn (Politikteil):

Lokführer, das war mal was. Das roch nach harter Arbeit, Vertrauenswürdigkeit, Verantwortung, nach einem wichtigen Beitrag für die Gemeinschaft. Herr Weselsky hat es geschafft, dass sich heute ganz andere Assoziationen aufdrängen. Maßlosigkeit, Unverfrorenheit und Rücksichtslosigkeit – zulasten der Allgemeinheit, ohne jede Not. Lokomotivführer verdienen ungefähr so viel wie der Durchschnitt der deutschen Arbeitnehmer. Was ist daran falsch oder gar ungerecht? Als Einstellungsvoraussetzung genügt ein Hauptschulabschluss. Der voll klimatisierte Arbeitsplatz ist gekennzeichnet durch einen bequemen Sessel, keinerlei körperliche Arbeit und wenig Stress, weil alles weitgehend automatisiert ist. Einzige Herausforderung: Man sollte nicht einschlafen; das wäre peinlich, weil der Zug dann automatisch stoppt. Deshalb muss man gelegentlich auf einen Knopf drücken, damit die Lok weiß, dass der Lokführer noch wach ist. Jeder Autofahrer, ganz zu schweigen von Busfahrern, ist deutlich mehr gefordert. Angesichts dieser „Belastung“ fordert Weselsky eine Lohnerhöhung von 13 Prozent und eine Reduzierung der Arbeitszeit um 13 Prozent. Macht 26 Prozent mehr – ohne Gegenleistung. Die Arbeitszeitverkürzung läuft darauf hinaus, dass die Lokführer Überstunden machen müssen, um den Laden am Laufen zu halten. Machen sie sicherlich gerne, denn dann verdienen sie nochmals mehr. Ich hoffe, dass die Bahn diesen maßlosen Eigennutz zum Anlass nimmt, massiv in die Automatisierung des Zugverkehrs zu investieren, denn technisch ist es kein Problem, auf Lokführer zu verzichten; kostet nur etwas Zeit und ziemlich viel Geld.

Rudolf Schwenger

Tuntenhausen

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